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Tarifverhandlungen Sozial- und Erziehungsdienst: 2. Runde ohne Ergebnis vertagt

Erzieher im öffentlichen Dienst TVöD SuE
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Die 2. Runde der Tarifverhandlungen im Sozial- und Erziehungsdienst sind ergebnislos vertagt worden. Ver.di fordert unter anderem, Erzieherinnen und Sozialarbeiter in kommunalen Einrichtungen zu entlasten. Zudem geht es auch um mehr Geld.

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Auch die zweite Tarifverhandlungsrunde für die rund 330.000 Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst ist ergebnislos vertagt worden. Ver.di berät nun über das weitere Vorgehen. Die Gewerkschaft kritisiert die Haltung der öffentlichen Arbeitgeber und geht davon aus, dass sich die Auseinandersetzung weiter zuspitzen wird. „In den nächsten Tagen und Wochen werden wir unsere Mitglieder ausführlich über den Stand der Verhandlungen informieren und das weitere Vorgehen beschließen. Wir sind sicher, dass es vor der nächsten Verhandlungsrunde am 16. und 17. Mai zu heftigen Reaktionen kommen wird“, erklärte der Vorsitzende der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di), Frank Werneke. „Mit ihrem Verhalten sind die Arbeitgeber für die Zuspitzung des Konfliktes verantwortlich.“

Sozial- und Erziehungsdienst: Haltung der Arbeitgeber enttäuschend

Die Enttäuschung in der Verhandlungskommission der Gewerkschaften über die Haltung der Arbeitgeberseite sei massiv. In Fragen der Entlastung und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen sowie für die Aufwertung der Berufe seien nicht einmal Ansätze für Kompromisslinien gefunden worden. Die kommunalen Arbeitgeber hätten ein konkretes Angebot verweigert.


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Ver.di warnt vor Fachkräftemangel

Nach Berechnungen des Deutschen Jugendinstitutes fehlen bis zum Jahr 2025 allein in den Kitas 300.000 Fachkräfte. „In der Sozialarbeit und in der Behindertenhilfe sieht es keinen Deut besser aus“, sagte Werneke. „Ohne eine deutliche Aufwertung des Sozial- und Erziehungsdienstes laufen wir sehenden Auges auf chaotische personelle Verhältnisse in Kitas und in den sozialen Einrichtungen zu. Der objektiv vorhandene Fachkräftemangel soll von den kommunalen Arbeitgebern offensichtlich keiner Lösung zugeführt werden.“

Dritte Verhandlungsrunde im Sozial- und Erziehungsdienst am 16. und 17. Mai

Der ver.di-Vorsitzende forderte die kommunalen Arbeitgeber auf, die wenigen Wochen bis zur nächsten Verhandlung endlich zu nutzen, gemeinsam konstruktive Lösungsvorschläge für die prekären Arbeitssituationen der Beschäftigten zu erarbeiten. Die dritte Verhandlungsrunde findet am 16. und 17. Mai in Potsdam statt.

Auftakt der Tarifverhandlungen in Kitas und im Sozialen Dienst

Am 25. Februar werden die Tarifverhandlungen für den kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst wieder aufgenommen. Wegen der Coronakrise war diese 2020 unterbrochen worden. Ver.di hat nun Forderungen beschlossen. Die Gewerkschaft kämpft für bessere Arbeitsbedingungen, eine finanzielle Aufwertung der Arbeit und wirksame Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel.

„Während der Pandemie wurde mehr als deutlich, wie unverzichtbar und wertvoll die Sozial- und Erziehungsberufe für die Gesellschaft sind. Trotzdem wird die Arbeit, die die Beschäftigten täglich leisten, viel zu wenig anerkannt. Das müssen und werden wir ändern“, betonte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle.

Tarifverhandlungen Sozial- und Erziehungsdienst: Aufwertung und mehr Geld

In sozialen Berufen überwiegend Frauen tätig seien. Sie sorgen dafür, dass in den Kitas und Horten alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft miteinander lernen und spielen, Jugendliche mit schwierigem familiären Hintergrund ein Zuhause finden, Familien in Krisen kompetent begleitet werden und Menschen mit Behinderungen einer sinnstiftenden Tätigkeit nachgehen können. „Sie arbeiten mit Wohnungslosen, Strafffälligen und Menschen, die sich selber schon aufgegeben haben. Dabei bringen sie die Ansprüche der Gesellschaft und die individuellen Interessen der Menschen miteinander in Einklang. Diesen Herausforderungen widmen sich die Erzieherinnen und Erzieher, Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter und viele andere Berufsgruppen tagtäglich mit Professionalität, Engagement und viel Idealismus“, erklärte die ver.di-Vize.

Die geringe gesellschaftliche Aufmerksamkeit gehe einher mit geringer Anerkennung, die sich in weiten Teilen durch schlechte Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, niedrige Gehälter, Befristungen und Teilzeit präsentiere.

ver.di setze sich daher in den Tarifverhandlungen für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine Entlastung der Beschäftigten ein. Des Weiteren müssten wirksame Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel geschaffen und die Arbeit finanziell aufgewertet werden.

Ver.di-Forderungen für Tarifverhandlungen Sozial- und Erziehungsdienst

In einem ausführlichen Papier hat ver.di verschiedene detaillierte Forderungen aufgezählt, um für bessere Arbeitsbedingungen im Sozial- und Erziehungsdienst zu kämpfen. Diese lauten:

  1. Verbesserung der Eingruppierungsmerkmale, insbesondere durch
  • Eingruppierung der Tätigkeit der Kinderpflegerin/Sozialassistentin in die EG S 4
  • Reguläre Eingruppierung der Erzieherin in die EG S 8b
  • Abbildung der pädagogischen Tätigkeiten im offenen Ganztag
  1. Verbesserung der Eingruppierung der Beschäftigten im Bereich der Sozialarbeit durch Gleichstellung mit vergleichbaren Studienniveaus sowie Ausbringen neuer Merkmale für die Schulsozialarbeit.
  2. Schaffung weiterer Merkmale ab EG S 17 für Tätigkeiten in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und in der Leitungstätigkeit
  3. Anpassung der Stufenlaufzeiten an die allgemeinen Regelungen und Öffnung der Stufen 5 und 6 für alle Entgeltgruppen im Sozial­ und Erziehungsdienst
  4. Anpassung der Eingruppierung der Kita­Leitungen an die vorhandenen Anforderungen
  5. Stellvertretende Leitungen verbindlich vorsehen und Festlegung der Mindesteingruppierung in die EG S 11a
  6. Anpassung der Bedingungen, vor allem unter Berücksichtigung der gesetzlichen Anforderungen durch das Bundesteilhabegesetz durch z. B.
  • Aufnahme der Berufsbezeichnungen Arbeitserzieherin, geprüfte Fachkraft zur Arbeits­ und Berufsförderung (gFAB) und der Fachkraft zur Arbeits­ und Berufsförderung mit Sonderpädagogischer Zusatzausbildung (FAB mit SPZ).
  • Eingruppierung der Beschäftigten mit abgeschlossener Berufsausbildung und pädagogischer Qualifikation in die EG S 8b.
  • Bessere Bewertung der Tätigkeit Beschäftigten im handwerklichen Erziehungsdienst durch Eingruppierung in die EG S7
  • Berücksichtigung der Tätigkeit der Schulassistenz/Schulbegleitung sowie weiterer Assistenztätigkeiten und Eingruppierung ent­ sprechend des Anforderungsprofils
  • Umbenennung der monatlichen Heimzulage in eine Zulage Wohnen und Erhöhung auf 150,00 Euro
  • Regelungen zur Vergütung während der Ausbildung zur Heil­ erziehungspflege (HEP)
  1. Rechtsanspruch auf Qualifizierung für alle Beschäftigten z. B. von Kinderpflegerinnen und Sozialassistentinnen zu Erzieherinnen
  2. Qualität der Arbeit verbessern und Entlastung der Beschäftigten erreichen durch:
  • Ausdehnung der Vorbereitungszeit, um mehr Zeit für die mittelbare pädagogische Arbeit zu haben
  • Einführung von Entlastungstagen durch ein Konsequenzen-Management
  1. Anerkennung der Berufstätigkeit und der bei anderen Trägern erworbenen Berufserfahrung
  2. Qualifizierung und angemessene Vergütung für Praxisanleitung sowie die Ausstattung mit Zeitkontingenten

Quelle: ver.di-Papier

Tarifverhandlungen Sozial- und Erziehungsdienst: Teufelskreislauf durchbrechen

Bereits in den Jahren 2009 und 2015 hatten sich ver.di und die Beschäftigten der Sozialen Arbeit bundesweit für eine Aufwertung der beruflichen Tätigkeit eingesetzt. Im Rahmen langwieriger Auseinandersetzungen konnten sie erste finanzielle Verbesserungen erreichen. Seitdem haben sich jedoch die Arbeitsbedingungen nicht zuletzt durch die Pandemie verschlechtert. Gleichzeitig haben gesellschaftliche Herausforderungen wie beispielsweise die Armut von Kindern zugenommen. Daher verlassen viele Fachkräfte die Arbeitsfelder und es entscheiden sich immer weniger Menschen für diese anspruchsvollen Berufe. Der Fachkräftemangel nimmt zu und die Belastung der verbleibenden Fachkräfte steigt. „Es gilt, diesen Teufelskreislauf zu durchbrechen, die Beschäftigten zu entlasten und ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern. Nur so wird es gelingen auch in Zukunft professionelle Sorgearbeit sicherzustellen“, so Behle.

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