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Dem Öffentlichen Dienst fehlen 631.000 Stellen: Beamtenbund (dbb) warnt vor Staats-Kollaps

Eine Mitarbeiterin in einer Behörde des öffentlichen Dienstes
Im öffentlichen Dienst fehlen enorm viele Stellen (KI-Symbolfoto).

Der demografische Wandel, zunehmender Arbeitsaufwand und Sparzwang verschärfen die Personallücke im öffentlichen Dienst. Jetzt schlägt der Beamtenbund Alarm. In der Verwaltung fehlt es an 631.000 Fachkräften.

Der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst erreicht einen neuen Rekord. Dem Staat fehlen aktuell 631.000 Beschäftigte. Also noch einmal 30.000 mehr als im Vorjahr. Und das, obwohl die Gesamtzahl der Beschäftigten leicht auf 5,5 Millionen klettert. Der Beamtenbund (dbb) warnt sogar, dass die Handlungsfähigkeit zu kollabieren droht. Die Zahl berücksichtigt dabei nicht nur unbesetzte Stellen, sondern rechnet den tatsächlichen strukturellen Bedarf mit ein. „Die Politik schafft ständig neue Aufgaben, ohne dafür ausreichend Stellen zu schaffen. Die Bürger erleben deshalb einen in Teilen überforderten Staat“, schlägt dbb-Chef Volker Geyer angesichts der aktuellen Zahlen in einem Interview mit der FAZ Alarm.

Fachkräftemangel: Das sind die Brennpunkte im öffentlichen Dienst

Der Fachkräftemangel zieht sich durch nahezu alle Bereiche im öffentlichen Dienst. Bei der Daseinsvorsorge und der Bildung spitzt er sich jedoch zu. Der dbb hat die am stärksten betroffenen Sektoren aufgeschlüsselt:

  • Kranken- und Altenpflege: 125.200 fehlende Beschäftigte
  • Schulen: 120.000 fehlende Lehrkräfte und Fachkräfte
  • Kommunalverwaltungen: 112.000 fehlende Kräfte (u. a. in Ausländerbehörden, Bauämtern, Jugend- und Sozialämtern)
  • Kindertagesstätten (Kitas): 97.000 fehlende Erzieherinnen und Erzieher
  • Polizei: 72.000 fehlende Einsatzkräfte (55.000 bei der Landespolizei, 17.000 bei der Bundespolizei)

Auch in der Finanzverwaltung klafft mit 50.000 fehlenden Beschäftigten eine enorme Lücke. Bei der Justiz (Richter, Vollzug, Verwaltung) fehlen rund 10.500 Kräfte. Die Zahlen machen deutlich, dass der Staat vor allem dort unterbesetzt ist, wo Bürgerinnen und Bürger direkten Kontakt zur Verwaltung haben. Auch das dürfte ein Grund für das sinkende Vertrauen sein.

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Ursachen für den Fachkräftemangel 

Die Gründe für das Ausmaß des Personalmangels sind vielschichtig, basieren im Kern jedoch auf dem demografischen Wandel. Allein im Jahr 2026 gehen mehr als zwei Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst altersbedingt in den Ruhestand, wie eine Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zeigt. In den kommenden zehn Jahren sind es in Summe 1,42 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Heißt: Bis 2036 scheidet jeder Vierte aus dem Dienst aus. Aber selbst danach wird das Problem nicht kleiner. Der DGB betont, dass aktuell 26,9 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Sektor 55 Jahre oder älter sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass der öffentliche Dienst ein Problem damit hat, sein Personal zu binden. Der Staat setzt bei Tarifbeschäftigten stark befristete Verträge. Nach Angaben des DGB arbeiteten 2024 über 521.000 Angestellte im öffentlichen Dienst mit einem Zeitvertrag, was einer Befristungsquote von 15,2 Prozent entspricht. Besonders auf Landesebene wird die Praxis zunehmend zum Problem. Hier liegt der Anteil sogar bei 30 Prozent. Diese Unsicherheit bei der beruflichen Zukunft treibt Kräfte zusätzlich in die Privatwirtschaft.

Folgen für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst

Der Fachkräftemangel ist ein Teufelskreis. Anhaltender Personalmangel führt dazu, dass das bestehende Personal überarbeitet ist. Eine Sonderauswertung des DGB-Index Gute Arbeit verdeutlicht das. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten im öffentlichen Dienst (53 Prozent) gibt an, in (sehr) hohem Maße von Personalmangel betroffen zu sein – deutlich mehr als in der Privatwirtschaft (43 Prozent).

Regelmäßige Überstunden sind häufig die Regel und acht von zehn Beschäftigten im öffentlichen Dienst geben an, Aufgaben zu übernehmen, die gar nicht zu ihrem Tätigkeitsbereich gehören. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten vielerorts am Limit. Die Beschäftigten setzten sich in den Dienststellen „nach wie vor bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit und darüber hinaus ein“, klagt dbb-Chef Geyer. Beim Bund zum Beispiel arbeitet jeder Beamte 41 Stunden in der Woche. Vor knapp zwanzig Jahren wurde uns versprochen, die Arbeitszeiterhöhung gegenüber den Tarifkräften gelte nur vorübergehend. Sie gilt noch immer.“

Die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten im öffentlichen Dienst hat Vollzeit nicht mehr ausgehalten

Die Situation hat gesundheitliche Folgen. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) gibt im DGB-Index an, nach dem Dienst sehr häufig oder oft zu erschöpft zu sein, um sich noch um private oder familiäre Angelegenheiten zu kümmern. Teilzeit dient hier als Notbremse. Die Hälfte aller Teilzeitbeschäftigten im öffentlichen Dienst gibt an, die Stunden reduziert zu haben, weil sie die Belastung in Vollzeit gesundheitlich nicht ausgehalten hätten. Bei  Lehrkräften liegt dieser Wert bei 79 Prozent.

Lösungen gegen den Fachkräftemangel

Auf die schlechte Stimmung, den schleichenden Vertrauensverlust und die vermeintlich drohende Handlungsunfähigkeit der Verwaltung muss die Verwaltung reagieren. Die Gewerkschaft dbb und der DGB fordern nichts weniger als ein Umdenken in der Personalpolitik. Schließlich strebt die Regierung im Rahmen der Modernisierungsagenda auch einen Personalabbau an. Stattdessen brauche es Maßnahmen, um die Probleme nachhaltig zu lösen.


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Personalbedarfsanalysen sollen Beschäftigte und Bürger entlasten

So soll es etwa verbindliche Personalbedarfsanalysen geben. Die Stellen dürften nicht nach Haushaltslage, sondern nach Bedarf vergeben werden. Auch auf die IT und KI setzen die Gewerkschaften. Ein zielgerichteter Einsatz soll Beschäftigte und Bürger gleichermaßen entlasten. Zusätzlich müsse in Bereichen mit hohem Krankenstand Vertretungsreserven geschaffen werden. Attraktive Gehälter, verlässliche Arbeitszeitmodelle und Investitionen in moderne Arbeitsmittel seien essenziell, um neue Fachkräfte anzuwerben. Einen handlungsfähigen Staat und eine verlässliche Infrastruktur gäbe es nicht zum Nulltarif.

Quellen: