Ausbildung 2027 im öffentlichen Dienst: So gelingt Dein Start beim Staat

Mehr als 600.000 Stellen sind im öffentlichen Dienst unbesetzt, der Staat sucht Nachwuchs so dringend wie nie. Eine Ausbildung bei Bund, Ländern oder Kommunen bietet Dir sichere Jobs und Tarifgehalt ab 1.368 Euro im Monat. Der Überblick über Berufe, Vergütung, Laufbahnen und Bewerbung. Zudem zeigen wir dir, wo es freie Ausbildungsplätze gibt.

Von Sebastian Henneke

Ausbildung öffentlicher Dienst

Für Viele ein Grund zur Freude: Eine Ausbildung im öffentlichen Dienst / Copyright: picture alliance / Westend61 | Peter Scholl

Ausbildung öffentlicher Dienst 2027: Bis zu 15.000 freie Ausbildungsplätze

Junge Menschen haben es aktuell schwer, den Einstieg in die Arbeitswelt zu finden. Die Industrie schrumpft monatlich um 15.000 Arbeitsplätze. Gerade Berufseinsteiger haben besonders schlechte Karten. Anders sieht es im öffentlichen Dienst aus. Der Beamtenbund geht davon aus, dass bis zu 600.000 Stellen unbesetzt sind. Auch die Ausbildungsstellen in der öffentlichen Veraltung und anderen Bereichen sind in den letzten Jahren konstant, wie Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (bibb) für 2025 zeigen. Im letzten Jahr wurden rund 14.800 Ausbildungsverträge im öffentlichen Dienst abgeschlossen. 2024 waren es 15.000.

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Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz stehen also auch 2027 nicht schlecht, dass du im Staatsdienst einen Platz findest. Auf unseren Seiten findest du Ratgeber und viele Infos über die Arbeit im öffentlichen Dienst. Wir zeigen dir, wo und wie du Ausbildungsstellen findest, wie du dich bewirbst und worauf es in einem Bewerbungsgespräch ankommt.

Ausbildung 2027: Diese Berufe bildet der Staat aus

Der öffentliche Dienst bildet in weit mehr als 100 Berufen und dualen Studiengängen aus. Das Spektrum reicht vom Rathaus bis zur Rettungswache, von der Pflegestation bis zur Justizvollzugsanstalt. Keine andere Branche bietet so viel berufliche Vielfalt, wie der öffentlichen Dienst.

Die wichtigsten Bereiche im öffentlichen Dienst:

  • Verwaltung: Verwaltungsfachangestellte arbeiten in Rathäusern, Landratsämtern und Behörden. Der Beruf zählt zu den gefragtesten Ausbildungen beim Staat.
  • Sicherheit: Polizei, Bundespolizei, Zoll, Justiz und Feuerwehr bilden jedes Jahr tausende Nachwuchskräfte aus. Meist startest Du hier direkt als Beamtenanwärter.
  • Soziales und Gesundheit: Erzieher, Pflegekräfte und Notfallsanitäter gehören zu den Berufen mit dem größten Bedarf. Kommunale Kitas und Kliniken zahlen nach Tarif.
  • Technik und IT: Fachinformatiker, Straßenwärter, Vermessungstechniker und Bauzeichner halten den Staat am Laufen. Die Konkurrenz um Bewerber ist hier besonders klein.
  • Justiz und Finanzen: Justizfachangestellte, Sozialversicherungsfachangestellte und Finanzwirte verbinden Bürokontakt mit Rechtsanwendung.
  • Kultur und Bildung: Zudem gibt es auch spannende Karrieremöglichkeiten in der Bildung – also etwas als Lehrer oder Sozialarbeiter oder im staatlichen Kulturbetrieb. Dazu gehören etwa Museen, Galerien, Orchester oder Konzerthäuser. Das alles gehört in vielen Städten auch zum öffentlichen Dienst.

Tipp: Ausbildungsplätze im öffentlichen Dienst findest Du in unserer Stellenbörse oder in öffentlichen Stellenbörsen

Azubi oder Beamtenanwärter: Zwei Wege führen in den öffentlichen Dienst

Der öffentliche Dienst kennt zwei Einstiegswege. Sie unterscheiden sich bei Status, Geld und Karriere.

Weg 1: Die tarifliche Ausbildung. Du schließt einen Ausbildungsvertrag nach dem Berufsbildungsgesetz ab. Dein Gehalt regelt der Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes, kurz TVAöD. Bei den Ländern gilt der TVA-L. Dieser Weg gilt für Verwaltungsfachangestellte, Erzieher, Handwerks- und IT-Berufe.

Weg 2: Der Vorbereitungsdienst als Beamtenanwärter. Polizisten, Finanzwirte, Verwaltungswirte und viele Inspektoren starten als Beamte auf Widerruf. Statt Ausbildungsvergütung erhältst Du Anwärterbezüge. Die fallen höher aus, und es gehen keine Sozialabgaben ab. Nur um die Krankenversicherung musst Du Dich selbst kümmern.

Mit mittlerem Schulabschluss startest Du im mittleren Dienst. Mit Abitur oder Fachhochschulreife steht Dir der gehobene Dienst offen, meist als duales Studium mit Bachelorabschluss.

So viel verdienst Du in der Ausbildung im öffentlichen Dienst 2027

Die Ausbildungsvergütung im öffentlichen Dienst gehört zu den höchsten in Deutschland. Seit dem 1. Mai 2026 gelten im TVAöD für Bund und Kommunen diese Beträge zwischen 1380 Euro im ersten Ausbildungsjahr und 1500 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Auszubildende in der Pflege verdienen noch mehr: Sie starten mit 1.490,69 Euro und erreichen im dritten Jahr 1.653,38 Euro. Die Länder zahlen nach einem gesonderten Tarifvertrag, die Ausbildungsvergütung der Länder kannst du hier nachlesen.

Dazu kommen Extras, die kaum ein privater Arbeitgeber bietet: eine Jahressonderzahlung im November, ein Lernmittelzuschuss von 50 Euro pro Ausbildungsjahr, 30 Tage Urlaub und eine Abschlussprämie von 400 Euro, wenn Du die Prüfung im ersten Anlauf bestehst. Außerdem zahlt Dein Arbeitgeber von Beginn an in die betriebliche Altersvorsorge VBL ein. Und: Bei entsprechender Leistung wirst du übernommen. Beamtenanwärter liegen darüber. Beim Bund betragen die Anwärterbezüge seit Mai 2026:

  • AW einfacher Dienst: 1672,00 Euro
  • AW mittlerer Dienst:  1742,00 Euro
  • AW gehobener Dienst: 2029,00 Euro
  • AW Höherer Dienst:  2960,00 Euro

Quelle: Gesetzentwurf Bundesalimentationsgesetz Stand April 2026

Wie viel davon netto übrig bleibt, zeigt Dir unser Rechner.

Bund, Land oder Kommune: Wo Du Dich bewirbst

Der öffentliche Dienst ist föderal aufgebaut. Es gibt keine zentrale Bewerbungsstelle, sondern drei Ebenen mit eigenen Arbeitgebern und eigenen Portalen. Der Bund stellt unter anderem beim Zoll, bei der Bundespolizei, der Bundeswehr und in den Ministerien ein. Zentrale Anlaufstelle ist das Karriereportal des Bundes unter karriere.bund.de. Die Länder verantworten Polizei, Justiz, Schulen und Finanzämter. Jedes Bundesland betreibt ein eigenes Karriereportal, etwa karriere.nrw für Nordrhein-Westfalen. Die Anforderungen unterscheiden sich von Land zu Land, zum Beispiel beim Schulabschluss für die Polizei. Die Kommunen sind der größte Ausbilder vor Ort. Städte, Gemeinden und Landkreise besetzen Stellen im Rathaus, im Bauhof, in Kitas und im Ordnungsamt. Bewerbungen laufen direkt über die Karriereseite Deiner Stadt.

Bewerbung für 2027: Die Fristen im Blick behalten

Der Staat plant früh. Viele Behörden öffnen ihre Bewerbungsverfahren für den Ausbildungsstart 2027 bereits im Spätsommer und Herbst 2026. Polizei, Zoll und Bundeswehr brauchen wegen Einstellungstests und ärztlicher Untersuchungen oft ein Jahr Vorlauf. Kommunen schließen ihre Verfahren teils schon im Oktober für den Start im Folgesommer.

Das Auswahlverfahren folgt eigenen Regeln. Das Grundgesetz schreibt in Artikel 33 die sogenannte Bestenauslese vor: Behörden müssen nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung auswählen. Deshalb zählen Schulnoten, strukturierte Tests und ein transparentes Verfahren. Typische Stationen sind Onlinetest, schriftlicher Einstellungstest, Assessment Center und Vorstellungsgespräch.

Tipps für die Bewerbung

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FAQ: Häufige Fragen zur Ausbildung im öffentlichen Dienst

Welchen Schulabschluss brauche ich?

Der öffentliche Dienst bietet Ausbildungsmöglichkeiten für alle Schulabschlüsse. Für den mittleren Dienst und die meisten tariflichen Ausbildungen reicht ein mittlerer Schulabschluss. Der gehobene Dienst verlangt Abitur oder Fachhochschulreife. Einige Berufe stehen auch Hauptschulabsolventen offen, etwa im handwerklichen Bereich.

Wie viel verdiene ich in der Ausbildung beim Staat?

Nach TVAöD verdienst du seit Mai 2026 zwischen 1.368,26 Euro im ersten und 1.527,59 Euro im vierten Ausbildungsjahr. Beamtenanwärter erhalten je nach Laufbahn zwischen rund 1.490 und 2.778 Euro.

Werde ich nach der Ausbildung übernommen?

Der TVAöD sieht bei Bedarf eine Übernahme für zwölf Monate vor, bei guten Leistungen dauerhaft. Wegen des Personalmangels übernehmen die meisten Behörden ihre Auszubildenden unbefristet.

Wann muss ich mich für 2027 bewerben?

Je nach Behörde liegt der Bewerbungszeitraum zwischen Sommer 2026 und Frühjahr 2027. Polizei, Zoll und Bundeswehr starten meist besonders früh.

Kann ich auch ohne Verbeamtung im öffentlichen Dienst arbeiten?

Ja. Rund zwei Drittel der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind Tarifbeschäftigte und keine Beamten. Beide Wege bieten sichere Arbeitsplätze und geregelte Gehälter beziehungsweise Bezüge.