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Quereinstieg in den öffentlichen Dienst: So viel können Sie verdienen

Quereinstieg im öffentlichen Dienst
Der Quereinstieg im öffentlichen Dienst kann gelingen / Copyright: pexels,com

Der Quereinstieg in den öffentlichen Dienst bietet Chancen, für beide Seiten: öffentliche Arbeitgeber und Beschäftigte. Wir zeigen, wo Bedarf ist und wie viel man verdienen kann.

Spannung und Abenteuer sind nicht unbedingt das, was die meisten Menschen auf der Suche nach neuen Herausforderungen mit dem öffentlichen Dienst verbinden. Doch es kann genau das sein. Brücken bauen in der eigenen Heimatstadt zum Beispiel – und auch noch in 30 Jahren den Enkelkindern erzählen, dass man selbst diese Brücke gebaut hat. Den Hochwasserschutz vorantreiben, im Gesundheitswesen arbeiten, im Bildungsbereich arbeiten. Oder, leider wieder aktuell: Notfallpläne für die Stromversorgung oder Notfallbunker auf den neuesten Stand bringen. Im enormen Dienst stecken mehr Herausforderungen, als viele glauben.

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Warum haben Quereinsteiger im öffentlichen Dienst gute Chancen?

Die Verwaltung braucht dringend Beschäftigte. Auch, wenn das paradox klingt. Denn der Apparat ist so groß wie nie zuvor – rund 5,4 Millionen Menschen arbeiteten laut Statistischem Bundesamt im Jahr 2024 für Bund, Länder und Kommunen, ein Zuwachs von über 60.000 Stellen innerhalb eines Jahres. Und doch herrscht akuter Mangel. Der Grund für den enormen Hunger nach neuen Talenten ist vor allem biografischer Natur: Die Generation der Babyboomer verlässt die Büros. Die Zahlen des dbb beamtenbund und tarifunion sind drastisch – allein in diesem Jahr gehen zwei Prozent der Beschäftigten in den Ruhestand. Bis 2035 werden insgesamt 1,39 Millionen Mitarbeitende aus dem Dienst ausscheiden – das ist mehr als ein Viertel (27 Prozent) der gesamten Belegschaft.

Mit der klassischen Nachwuchsgewinnung lässt sich diese Lücke nicht mehr schließen. Der Staat muss sich für Quereinsteiger öffnen. Zum einen. Zum anderen sind die Aufgaben komplexer geworden. Die Behörden müssen digitaler werden, weswegen zunehmend KI-Anwendungen Einzug halten – dahinter stecken komplexe Projekte und Change-Management, die jemand umsetzen muss. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat Blockchain-Anwendungen gestartet.

Wo sind Quereinsteiger im öffentlichen Dienst besonders gefragt?

Die Verwaltung braucht T-Sicherheitsexpert:innen und Datenanalysten. „Wir merken hier, dass die Wirtschaft in eine Rezession kippt, weil wir die größte Bewerberflut seit Jahren haben“, erklärt Ingo Scheider im Gespräch mit Öffentlicher-Dienst-News. Er ist Geschäftsführer bei der Personalberatung Kontrast, die den öffentlichen Dienst als einen Schwerpunkt im Portfolio hat. Und weiter: „Ein ganz großes Thema ist gerade der Quereinstieg in den Finanzbereich – also etwa Finanzverwaltung, Management, Leitung Stadtkasse, Haushaltsplanungen.“ Tatsächlich sind diese organisatorischen Fähigkeiten gerade sehr gefragt. Eine Pressesprecherin der Region Hannover erklärte im Interview, dass sie eine besonders hohe Nachfrage im Verwaltungsbereich haben.

Doch die Suche geht weit über den klassischen Schreibtischjob hinaus:

  • Gesundheitswesen: Um dem Mangel an Mediziner:innen zu begegnen, hat Bayern mit dem Amtsarztrecht ein spezielles Instrument geschaffen. Über einen eigenen Amtsarztlehrgang wird es Ärzt:innen aus Kliniken oder Praxen erleichtert, als Quereinsteiger in den Staatsdienst zu wechseln und sich verbeamten zu lassen.
  • Bildung & Soziales: Auch in kommunalen Kitas, Schulen und Hochschulen ist der Bedarf so groß, dass neue Programme die „Verwaltungssozialisation“ beschleunigen sollen.
  • Sicherheit & Ordnung: Die Polizei Hamburg wirbt aktiv um IT-Expert:innen, die nicht in Uniform auf Streife gehen, sondern als Spezialisten im Hintergrund die innere Sicherheit durch Cyber-Abwehr und digitale Forensik gewährleisten.

Die Stadt Hamburg ist ein anschauliches Beispiel für die Bedeutung von Quereinsteigern. „Insgesamt werden die Verwaltung der Hansestadt bis zum Jahr 2030 nach unseren Prognosen rund 13.000 Beschäftigte verlassen – davon ein erheblicher Teil altersbedingt“, rechnet Christoph Lucke, der stellvertretende Leiter des Personalamts, gegenüber Öffentlicher-Dienst-News vor. Zwar seien die Bewerberzahlen hoch, aber: „Etwas anspruchsvoller gestaltet sich die Situation in den Bereichen von Bauingenieurinnen und Bauingenieuren, bei sozialpädagogischen Fachkräften und bei Ärztinnen und Ärzten.“

Wie hoch ist das Gehalt für Quereinsteiger im öffentlichen Dienst?

Grundlagen der Bezahlung

Die Vergütung orientiert sich üblicherweise an tariflichen Regelungen – primär am TVöD (für Bund und kommunale Arbeitgeber) oder am TV-L (für Landesbehörden). Für Quereinstieg hängt die mögliche Entgeltgruppe mit der Qualifikation und den Erfahrungen zusammen. Potenzielle Jobs gibt es vor allem in den unteren und mittleren Entgeltgruppen, die wir weiter unten skizzieren.

Bestandteile der Vergütung

Das Einkommen setzt sich aus verschiedenen Elementen zusammen:
  • Entgeltgruppe – richtet sich nach Art und Komplexität der zugewiesenen Aufgaben
  • Erfahrungsstufe – bemisst sich nach der anrechenbaren beruflichen Vorerfahrung
  • Zusätzliche Vergütungsbestandteile – etwa Funktionszulagen
  • Jahressonderzahlung – entspricht dem sogenannten Weihnachtsgeld

Eingruppierung nach Tätigkeitsfeldern im öffentlichen Dienst

Verwaltungstätigkeiten (Kommune/Bund TVöD oder Länder TV-L)

  • E 5 – E 6: grundlegende Verwaltungsaufgaben
  • E 7 – E 8: Sachbearbeitung mit erhöhten Anforderungen

Pflegebereich (Gehalt nach TVöD-P)

  • P 5 – P 6: Hilfstätigkeiten ohne formale Qualifikation
  • P 7 – P 8: Pflegehilfskräfte mit einjähriger Qualifizierung
  • P 8 – P 9: staatlich anerkannte Pflegefachkräfte

Kindertagesstätten oder Jugendhilfe (Gehalt nach TVöD SuE)

  • S 2 – S 3: ergänzende Tätigkeiten
  • S 4: bei entsprechender Vorqualifikation (beispielsweise Kinderpfleger)

Technischer Dienst 

  • E 4 – E 5: ungelernte Tätigkeiten
  • E 5 – E 6: Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung
  • E 7 – E 9a: Meister oder Stelle mit Leitungsfunktion

Welche Erfahrungen benötigt man als Quereinsteiger im öffentlichen Dienst?

„Bewerber müssen ihren Lebenslauf transparenter gestalten – weniger verklausuliert“, rät Personalberater Scheider. Entscheidend für die Bewerber ist jedoch, die gleiche Sprache wie die Verwaltungen zu sprechen. Nur wer seine bisherigen Stationen klar benennt und inhaltlich beschreibt, ermöglicht es den Personalabteilungen, die „Erfahrungsstufen“ korrekt anzurechnen.

Doch der Bedarf scheint sich noch nicht rumgesprochen zu haben. Viele potenzielle Bewerber zögern noch. „Viele sind passiv, weil sie glauben, die Hürden sind zu hoch. Aber wenn man den passenden Abschluss hat, ist das kein Problem. Leute, traut euch“, appelliert  Scheider. Tatsächlich sei ein geforderter Abschluss die einzige echte Hürde, die es seiner Erfahrung nach zu überwinden gilt. Das sieht Christoph Lucke aus dem Hamburger Personalamt etwas lockerer: „Wir sind bei der Anerkennung gleichwertiger Fähigkeiten insgesamt deutlich flexibler als in früheren Jahren.“ Er betont, dass die Anforderungsprofile heute breiter formuliert seien, damit sich die Stadt leichter tue, gleichwertige Fähigkeiten anzuerkennen – also Berufserfahrung statt formaler Abschlüsse.

Wie läuft der Bewerbungsprozess für Quereinsteiger im öffentlichen Dienst ab?

„Der Anteil der Quereinsteiger am Auswahlverfahren ist gestiegen. Das passiert aber nicht von allein, weil sich der öffentliche Dienst immer noch schwertut, den freien Arbeitsmarkt zu erreichen.“ Um diese Hürde zu überwinden, müssen Behörden heute proaktiv auf potenzielle Bewerber zugehen und strukturierte Einstiegswege schaffen. Jede größere Verwaltung hat Programme, die auf Quereinsteiger zugeschnitten sind.

Die Region Hannover beispielsweise hat über das Programm „Q-zwei“ den Quereinstieg zu einer strategischen Säule der Personalplanung gemacht. Das Programm richtet sich gezielt an Menschen mit einem akademischen Abschluss (Bachelor oder Diplom) und mindestens drei Jahren Berufserfahrung. Die Quereinsteiger starten sofort in verantwortungsvollen Bereichen wie dem Beteiligungsmanagement, der Wirtschaftsförderung oder der Kfz-Zulassung. Parallel zum Job absolvieren sie den „Angestelltenlehrgang II“, der sie für den gehobenen Dienst qualifiziert. Während der Weiterbildung erfolgt die Eingruppierung in die Entgeltgruppe 4, ergänzt durch eine Zulage nach 9b. Nach dem Abschluss eröffnen sich dann Perspektiven für höherwertige Stellen.

Auch in Hamburg sind Quereinsteiger ein wichtiger Teil der Personalplanung. Rund 75 Prozent der jährlich 6.000 bis 8.000 ausgeschriebenen Stellen werden mittlerweile auch auf dem externen Arbeitsmarkt angeboten. Dabei setzt Hamburg auf eine gezielte Unterstützung beim Rollenwechsel. Da Externe oft aus einer ganz anderen Arbeitswelt kommen, bietet das Zentrum für Aus- und Fortbildung (ZAF) der Hansestadt eigene Qualifizierungskurse an. „Der Vorteil externer Einstellungen liegt naturgemäß in neuen und anderen Perspektiven“, erklärt Lucke. Damit dieser frische Wind nicht an bürokratischen Hürden scheitert, hilft das ZAF den neuen Mitarbeitenden, die notwendige „Verwaltungssozialisation“ zu durchlaufen – also etwa die spezifischen Strukturen und Abläufe schnell zu erlernen.

Weshalb man beim öffentlichen Dienst gut verdienen kann

Scheider erklärt, dass die Verwaltungen dabei sind, Stellen neu zu überdenken. Strukturen werden angepasst und verändert. Aufgrund der Modernisierungskampagne und Umbaumaßnahmen, sind Ja-Sager nicht mehr gefragt.

Dieser Mut zur Veränderung wird durch den besonderen Schutz des öffentlichen Dienstes flankiert. Wer konstruktiv kritisch ist und Prozesse hinterfragt, ist hier oft besser geschützt als in der Privatwirtschaft. Es geht um neue Perspektiven, um den sprichwörtlichen Blick über den Tellerrand. Dazu kommt, dass die intrinsische Motivation im öffentlichen Dienst eine wichtige Rolle spielt. Viele Beschäftigte fragen nach dem „Warum“, und die Gemeinwohlorientierung ist der große Trumpf der Verwaltung – egal, ob es um Klimaschutzprojekte, soziale Gerechtigkeit oder die digitale Infrastruktur geht.

Zu guter Letzt hat sich auch das hartnäckige Vorurteil überholt, dass es im Amt weniger zu verdienen gäbe als in der freien Wirtschaft. Das stimmt so pauschal nicht mehr. Die Gehaltsunterschiede in den gehobeneren Stellen seien oft gar nicht mehr so groß, erklärt Scheider. Aufschläge, Eingruppierungen und eine Neubewertung und -Einordnung der Positionen hätten längst dazu geführt, dass der öffentliche Dienst attraktiver geworden ist.

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Stellenangebote für Quereinsteiger im öffentlichen Dienst

Pflege und Gesundheit

Im Pflegebereich werden händeringend Fachkräfte gesucht – aber auch für Hilfskräfte und Personen mit Interesse an einem beruflichen Neustart gibt es Möglichkeiten. Ob in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder ambulanten Diensten: Hier finden Sie Stellenangebote aus dem Bereich Pflege, Krankenpflege und Altenpflege.

Bildung und Erziehung

Kindergärten, Schulen und Bildungseinrichtungen bieten vielfältige Einstiegsmöglichkeiten – von der Unterstützung im Kita-Alltag über Schulbegleitung bis hin zu pädagogischen Assistenztätigkeiten. Aktuelle Stellenangebote finden Sie in der Rubrik Bildung, Erziehung, Lehrer und Erzieher.

Technischer Dienst und Handwerk

Ob Bauhof, Straßenunterhalt, Wasserversorgung oder kommunale Werkstätten – im technischen Bereich werden sowohl Fachkräfte als auch Helfer gesucht. Handwerkliche Vorerfahrung kann hier von Vorteil sein. Passende Stellen gibt es unter Technischer Dienst, Bau, Wasser, Entsorgung, Handwerk und Ingenieurwesen.

IT und Digitalisierung

Die Digitalisierung der Verwaltung schreitet voran – und damit steigt der Bedarf an IT-Fachkräften. Ob Systemadministration, Programmierung oder E-Government-Projekte: Der öffentliche Dienst sucht zunehmend Experten aus der IT-Branche. Aktuelle Stellenangebote finden Sie hier: IT-Bereich im öffentlichen Dienst.

Sie suchen konkrete Jobangebote, die auch für Quereinsteiger geeignet sind? In unserer Stellenbörse finden Sie regelmäßig aktuelle Ausschreibungen aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes. Viele Arbeitgeber sind offen für Bewerber mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen – es lohnt sich, die Angebote zu durchstöbern und gezielt nach passenden Positionen zu suchen.

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