Beamte • Kommunen • News • Politik • TVöD

Kranken- und Rentenversicherung wird 2027 für Gutverdiener im öffentlichen Dienst deutlich teurer

Gutverdiener öffentlicher Dienst 2027
Gutverdiener im öffentlichen Dienst müssen für 2027 nachrechnen. Copyright: Beitragsbemessungsgrenze

Die Bemessungsgrenzen für die Sozialbeiträge steigen erneut. Topverdiener müssen insgesamt mehr als 1000 Euro im Jahr zusätzlich zahlen. Wen das trifft und wen nicht – ein Wegweiser mit Beispielrechnungen für den öffentlichen Dienst.

Von Thomas Öchsner

Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst, die überdurchschnittlich gut verdienen, müssen im nächsten Jahr deutlich höhere Beiträge für die Kranken- und Rentenversicherung zahlen. Das liegt an den Bemessungsgrenzen für die Sozialbeiträge, die 2027 erneut steigen werden. Das hat das Bundeskabinett beschlossen. Besonders drastisch fällt die Erhöhung bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung aus. Wen aber von den etwa 3,5 Millionen im öffentlichen Dienst Angestellten trifft das überhaupt? Die Redaktion von öffentlicher-dienst-news.de hat nachgerechnet – hier unsere Ergebnisse.

Anzeige: Kredite für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst: Jetzt Konditionen beim Kreditvergleich von smava prüfen. Jetzt Kreditrechner nutzen

Beitragsbemessungsgrenze steigen 2027 – Gutverdiener im öffentlichen Dienst zahlen mehr

Wichtig zunächst zu wissen: Mit der Beitragsbemessungsgrenze wird festgelegt, bis zu welcher Grenze des Monatsgehalts Abgaben an die Sozialversicherung zu zahlen sind. Vom Gehalt, das über diesen Grenzen liegt, werden keine Beiträge mehr abgezogen. Die neuen Obergrenzen sehen nun so aus:

Die Bemessungsgrenze für die Beiträge in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung erhöht sich 2027 von bisher 5812,50 Euro um 562,50 Euro auf 6375 Euro im Monat. Darin enthalten ist eine Extra-Anhebung von 300 Euro. Diese soll die Krankenkassen und die Pflegeversicherung wegen ständig steigender Ausgaben entlasten. Bei der gesetzlichen Rentenversicherung und bei der Arbeitslosenversicherung gibt es bei der Beitragsbemessungsgrenze keine Extra-Erhöhung von 300 Euro. Trotzdem wird die Obergrenze wie bereits im Vorjahr deutlich angehoben, und zwar diesmal von 8450 Euro um 400 Euro auf 8850 Euro im Monat. Auf Einkommen oberhalb dieser Grenze fallen keine Beiträge an.

 TVöD, TV-L und Besoldung 2027 und 2028 – alle Neuigkeiten in deinem Postfach mit unserem Newsletter.

Dass die Bemessungsgrenzen so deutlich angehoben werden, liegt an den steigenden Löhnen und Gehältern. Gesetzlich ist festgelegt, dass analog zur Entwicklung der Bruttolöhne die Bemessungsgrenzen in der Sozialversicherung anzuheben sind, um alle Versicherten an der Finanzierung der Sozialversicherung zu beteiligen. Und die Bruttolöhne legten nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums 2025 um durchschnittlich 4,38 Prozent zu. Gutverdiener müssen deshalb insgesamt deutlich höhere Beiträge im nächsten Jahr zahlen, auch für die gesetzliche Renten- und Arbeitslosenversicherung; obwohl der Beitragssatz in Höhe von 18,6 beziehungsweise 2,6 Prozent 2027 noch stabil bleiben wird.

Rechengrößen ab 1. Januar 2027 im Überblick

Rechengröße Grenzwert 2027
Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung 6.375 Euro im Monat
76.500 Euro im Jahr
Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung 8.850 Euro im Monat
106.200 Euro im Jahr
Beitragsbemessungsgrenze in der knappschaftlichen Rentenversicherung 10.900 Euro im Monat
130.800 Euro im Jahr
Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung 7.012,50 Euro im Monat
84.150 Euro im Jahr
Vorläufiges Durchschnittsentgelt 2027 in der Rentenversicherung 53.452 Euro im Jahr

Quelle: Bundesregierung, Sozialversicherungsrechengrößen-Verordnung 2027 (Kabinettsbeschluss vom 7. Oktober 2026)
Alle Angaben ohne Gewähr

Drei Beispiele aus dem TVöD: Küchenhilfe, Justiziar, Geschäftsführerin

Was bedeutet das nun für die Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst? Drei Beispielrechnungen auf Grundlage der Entgelttabelle 2026 des TVöD VKA, die noch bis Ende März 2027 gültig ist.

Musterfall eins, die Geringverdienerin: Helga Musterfrau arbeitet als ungelernte Küchenhilfe in einer kommunalen Kantine und hat dort gerade erst angefangen, ohne längere Einarbeitungszeit. Ihr Bruttolohn beläuft sich laut Entgeltgruppe 1, Stufe 2 (Stufe 1 existiert nicht) auf gerade einmal 2534,55 Euro brutto. Sie muss sich wegen der Erhöhung der Beitragsgrenzen wie alle anderen Arbeitnehmer, die mit ihrem Verdienst unterhalb dieser Grenzen liegen, keine Sorgen machen. Ihre Abzüge für die Kranken- und Pflegeversicherung (KV und PV) bleiben unverändert, solange ihr Gehalt nicht erhöht wird und ihr Beitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung nicht steigt. Ihre Abzüge für die Sozialversicherung inklusive Rentenversicherung belaufen sich insgesamt unverändert auf 553,80 Euro. Da sie aber kinderlos ist, wird sie mit großer Wahrscheinlichkeit das Sparpaket bei der gesetzlichen Pflegeversicherung treffen. Die Bundesregierung hat nämlich beschlossen, den Extra-Beitrag für Kinderlose von jetzt 0,6 auf 0,9 Prozent anzuheben. Insgesamt sind für Kinderlose damit vom neuen Jahr an dann nicht mehr auf 4,2, sondern 4,5 Prozent fällig. Bislang teilt sich der Beitrag von 4,2 für Kinderlose so auf: Der Arbeitgeber zahlt 1,8 Prozent, der Arbeitnehmer 2,4 Prozent. Künftig wären es dann 2,7 Prozent. Helga Musterfrau müsste dann von ihrem Gehalt 7,60 Euro pro Monat zusätzlich abknapsen. Ihr Beitrag für die Pflegeversicherung beläuft sich auf insgesamt 68,43 (vorher: 60,83) Euro. Ihre Gesamtbelastung steigt somit auf 561,40 Euro.

Gutverdiener im öffentlichen Dienst: Beispiele aus dem TVöD

Musterfall zwei, der Gutverdiener: Maximilian Mustermann ist Justiziar im Rechtsamt einer Stadt. Sein monatliches Bruttogehalt beträgt laut TVöD VKA, Entgeltgruppe E 14, Stufe 4 genau 6594,12 Euro. Bei ihm schlägt die Erhöhung der Bemessungsgrenze in der KV und PV voll durch. Er zahlt für die Kranken- und Pflegeversicherung insgesamt 58,50 Euro pro Monat mehr, statt bisher 604,50 Euro sind es nun zusammen 663 Euro. Die Erhöhung der Obergrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung trifft ihn nicht, da sein Gehalt deutlich darunter liegt. Auch die beschlossene Erhöhung des Beitrags für Kinderlose in der PV kostet ihn nichts. Der Beitrag für zwei Kinder bleibt in der Pflegeversicherung unverändert.

Musterfall drei, die Top-Verdienerin: Sabine Musterfrau ist Geschäftsführerin in einem kommunalen Betrieb. Sie wird nach Entgeltgruppe E15Ü, Stufe 5 bezahlt, ein Tarif, der für Neueinstellungen geschlossen ist. Die leitende Angestellte profitiert aber vom alten Vergütungsrecht, weil sie schon Jahrzehnte kommunale Führungspositionen innehat. Ihr monatlicher Verdienst beläuft sich auf 9087,16 Euro. Die Geschäftsführerin wird nun zweifach belastet: Sie ist kinderlos, zahlt also wie die Küchenhilfe im Musterfall eins nach einer Erhöhung einen Beitrag von 2,7 Prozent in die PV, ihr Beitrag ist deshalb etwas höher, verglichen mit dem Gutverdiener im Musterfall zwei. Insgesamt sind bei ihr für die KV und PV zusätzlich 82,41 Euro fällig. Außerdem trifft sie die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen bei der Rentenversicherung (RV) und Arbeitslosenversicherung (AV). Sie muss deshalb für die RV monatlich 37,20 Euro zusätzlich zahlen, bei der Arbeitslosenversicherung sind es 5,20 Euro mehr im Monat, macht zusammen mehr als 42 Euro. Alles zusammen gehen bei der leitenden Angestellten 124,81 Euro mehr pro Monat für die Sozialversicherung vom Bruttogehalt ab. Das sind fast 1500 Euro zusätzlich im Jahr. Fast genauso stark steigen auch die Lohnnebenkosten für ihren Arbeitgeber, der mit Ausnahme der Pflegeversicherung für die Hälfte der Beiträge aufkommen muss.

Beitragssätze für Kranken- und Rentenversicherung bleiben 2027 stabil

Wie haben wir gerechnet?

Gerechnet wurde mit einem Durchschnittsatz für den Zusatzbeitrag für die KV in Höhe von 3,1 Prozent, diesen stellte das Internetportal Krankenkasseninfo bereits Ende 2025 fest. Auch das Institut der deutschen Wirtschaft bezifferte in einer Analyse den Durchschnittsatz nach dem ersten Quartal 2026 auf 3,1 Prozent. Weitere Erhöhungen im Laufe dieses Jahres sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Der sogenannte Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) rechnet jedoch damit, dass sich 2027 der durchschnittliche Zusatzbeitrag auf 2,9 Prozent einpendeln wird. Derzeit spricht aber trotz des Sparpakets für die gesetzliche Krankenversicherung wenig dafür, dass die Beiträge wieder sinken. Steigen im nächsten Jahr die Zusatzbeiträge, würde sich hingegen die Zusatzbelastung für den Arbeitnehmer entsprechend weiter erhöhen. Der allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent für die Krankenversicherung ändert sich 2027 nicht. Der Beitrag für die Rentenversicherung bleibt im nächsten Jahr ebenfalls stabil. 2028 könnten die Beiträge allerdings nach Berechnungen der Deutschen Rentenversicherung von 18,6 sprunghaft auf 19,9 Prozent anziehen.

Steigen die Beiträge in die PKV 2027

Was ändert sich für Beamte und Beamtinnen?

Die knapp zwei Millionen Beamten und Beamtinnen sind fast alle privat krankenversichert. In die gesetzliche Rentenversicherung müssen sie nicht einzahlen. Die Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenzen trifft sie deshalb nicht. Die verbeamteten Staatsdiener müssen aber damit rechnen, dass ihre Beiträge, die sie für ihre private Krankenversicherung (PKV) zahlen müssen, 2027 erneut anziehen. Das signalisiert ein Interview, das der PKV-Verband auf seiner Webseite veröffentlicht hat. Darin weist Holger Eich, Geschäftsführer und Chef-Mathematiker im PKV-Verband, auf die erheblich gestiegenen Ausgaben im Gesundheitswesen hin. Er sagt: „Erste Signale aus der Branche deuten darauf hin, dass es deswegen zu Beginn des Jahres 2027 Beitragserhöhungen geben wird. Davon wird ein Großteil der Privatversicherten betroffen sein.“ Genaueres lasse sich derzeit aber noch nicht sagen.

Die Beiträge in der privaten Krankenversicherung waren bereits in den vergangenen Jahren immer wieder deutlich gestiegen. Zum Jahreswechsel 2024/2025 hatte dies zwei Drittel der PKV-Versicherten getroffen, mit einer durchschnittlichen Erhöhung von 12,5 Prozent. Ein Jahr später kletterten die Beiträge im Durchschnitt um 13 Prozent.

Wenn Sie Ihre Krankenkasse wechseln oder bei Ihrer privaten Krankenversicherung sparen wollen, lesen Sie unserer Ratgeber:

Thomas Öchsner ist seit mehr als 30 Jahren Finanzjournalist und war leitender Redakteur in der Wirtschaftsredaktion der Süddeutschen Zeitung. Gerade ist sein neues Buch erschienen: „Dein Geld kann mehr!“, Rowohlt 2026.

Top-News:

dbb-Chef Geyer rechnet mit Klagen gegen fiktives Partnereinkommen

TVöD Pflege: So viel Weihnachtsgeld gibt es für kommunale Pflegekräfte 2026

TVöD SuE: Weihnachtsgeld für Erzieher und Co. 

Weihnachtsgeld im öffentlichen Dienst 2026

Gehaltserhöhungen 2027: Wer bekommt mehr Geld? Wann steigen die Gehälter?

Ausbildung im öffentlichen Dienst: Das müssen Bewerber wissen

Öffentlicher Dienst im September 2026: Entwurf Bundesbesoldung, drei Landtagswahlen, mehr Gehalt für Pflege

Besoldungserhöhung im öffentlichen Dienst: Wer zahlt frühzeitig – wie steht es um Nachzahlungen ohne Widerspruch?

Besoldungsrunde 2026: Der lange Weg zur amtsangemessenen Alimentation

Stellenbörse für den öffentlichen Dienst: Lukrative Jobs im Staatsdienst

Aktuelle Informationen zu Gehalt & Besoldung im öffentlichen Dienst