Gute Nachrichten für Brandenburgs Beamte: Finanzminister Daniel Keller (SPD) macht Tempo in Sachsen Besoldung. Mit den Dezember-Bezügen sollen rund 35.000 Staatsdiener in Brandenburg ihre höhere Besoldung erhalten, rückwirkend ab Januar 2026. Das Plus liegt je nach Besoldungsgruppe bei 7 bis 18 Prozent. Vorher muss der Landtag das Gesetz beschließen.
Die Zentrale Bezügestelle des Landes ist startklar. Nach Angaben von Finanzminister Daniel Keller (SPD) sind alle technischen und personellen Vorbereitungen abgeschlossen. Die neue Besoldung Brandenburg soll damit rückwirkend zum 1. Januar 2026 mit den Dezember-Bezügen auf den Konten landen. Das bestätigte Keller am Dienstag dem Tagesspiegel. Eine Hürde bleibt: Der Landtag muss das Besoldungsgesetz noch im Oktober oder November beschließen. Der Finanzausschuss will das Gesetz bereits in dieser Woche abschließend beraten, früher als geplant.
Finanzministerium: Keine Abschläge vor Dezember
Auf Anfrage von Öffentlicher Dienst News hat das Brandenburger Finanzministerium den Zeitplan im August bestätigt. „Unter dem Vorbehalt, dass ein entsprechendes Besoldungs- und Versorgungsanpassungsgesetz 2026 durch den Landtag beschlossen wird, ist die Auszahlung der erhöhten Bezüge mit der Dezemberabrechnung 2026 avisiert“, teilte das Ministerium mit.
Anzeige: Kredite für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst: Jetzt Konditionen beim Kreditvergleich von smava prüfen. Jetzt Kreditrechner nutzen
Auf unsere Frage nach einer Vorauszahlung antwortete das Ministerium knapp: „Nein, Voraus- oder Abschlagszahlungen sind nicht geplant.“ Bis zur Dezemberabrechnung erhalten die Beamten also weiter ihre bisherigen Bezüge. Auch Pensionäre müssen nicht länger warten. Für Versorgungsempfängerinnen und Versorgungsempfänger „gelten die gleichen Auszahlungsmodalitäten wie im Bereich der aktiven Beamtinnen und Beamten“, so das Ministerium. Auch ihre erhöhten Bezüge samt Nachzahlung ab Januar sollen demnach im Dezember kommen.
So viel mehr Geld bekommen die Beamten
Die Erhöhung fällt kräftig aus. Nach Angaben des Finanzministeriums steigen die Bezüge in der Besoldungsordnung A je nach Besoldungsgruppe um 7 bis 17 Prozent. In der Besoldungsordnung B sind es rund 18 Prozent. Das Plus gilt für aktive Beamtinnen und Beamte, für Versorgungsempfänger und für Anwärter. Weil die Erhöhung rückwirkend ab Januar gilt, kommt im Dezember ein großer Betrag auf einmal. Laut Tagesspiegel können die Nachzahlungen für 2026 je nach Eingruppierung zwischen 6.000 und 25.000 Euro brutto ausmachen. Für die Zentrale Bezügestelle ist das eine der größten Aufgaben seit Jahrzehnten. Sie muss jeden Einzelfall neu berechnen. Neben den höheren Beträgen werden auch die Erfahrungsstufen auf die neuen Tabellen übertragen.
Lehrkräfte bekommen jeden zweiten Euro
Allein 2026 zahlt das Land nach Tagesspiegel-Angaben 345 Millionen Euro mehr an seine Beamten aus. Mit dem Gehaltsplus will Brandenburg auch im Wettbewerb um Lehrkräfte aufholen. Eine Aufstellung des Finanzministeriums zeigt, wohin das Geld fließt:
| Ressort | Beamte | Mehrkosten 2026 |
|---|---|---|
| Lehrkräfte Bildungsressort |
16.608 | 199,0 Mio. Euro 57,7 % |
| Innenministerium vor allem Polizei |
9.211 | 59,2 Mio. Euro 17,2 % |
| Justizministerium verbeamtete Justizbedienstete |
3.509 | 32,2 Mio. Euro 9,3 % |
| Finanzministerium vor allem Finanzverwaltung |
3.550 | 23,9 Mio. Euro 6,9 % |
Balken und Prozentwerte: Anteil an den Mehrkosten von 345 Millionen Euro (eigene Berechnung). Die übrigen rund 9 Prozent entfallen auf weitere Ressorts.
Quelle: Finanzministerium Brandenburg via Tagesspiegel, Stand 29. September 2026
Alle Angaben ohne Gewähr
Die Verfassungsrichter in Karlsruhe gaben den Anstoß
Auslöser ist ein Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom September 2025. Die obersten Richter des Landes erklärten die Besoldung in Berlin für verfassungswidrig niedrig. Die Vorgaben gelten für alle Dienstherren: Beamte müssen deutlich mehr verdienen als Menschen in der Grundsicherung. Die SPD/CDU-Landesregierung in Potsdam einigte sich am 1. Juli 2026 mit den Gewerkschaften auf die Umsetzung. Brandenburg geht dabei schneller vor als andere Länder, auch schneller als Berlin. Künftig soll sich die Besoldung am Nominallohnindex orientieren, also an der allgemeinen Lohnentwicklung. Das Paket hat einen Preis. Ab dem 1. März 2027 steigt die Wochenarbeitszeit der Beamten von 40 auf 41 Stunden, befristet bis Juli 2032. Ausgenommen sind besonders belastete Gruppen wie Schichtdienstleistende, Justizvollzugsbedienstete und Feuerwehrleute. Wer bei 40 Stunden bleiben will, kann in Teilzeit wechseln.
Nachzahlungen für frühere Jahre folgen 2027
Offen sind noch die Altfälle. Rund 20.000 Beamte haben gegen ihre Besoldung Widerspruch eingelegt, insgesamt geht es laut Tagesspiegel um rund 200.000 Widersprüche. Für die Jahre 2004 bis 2025 plant die Landesregierung ein eigenes Korrekturgesetz. Das Gesetzgebungsverfahren soll nach Angaben des Finanzministeriums 2027 beginnen. Profitieren werden davon nicht alle. „Mögliche Nachzahlungen beschränken sich auf den Personenkreis der Klägerinnen und Kläger sowie Widerspruchsführerinnen und -führer“, teilte das Ministerium Öffentlicher Dienst News mit. Wer nie Widerspruch eingelegt hat, geht für die Vorjahre also leer aus.
Wie teuer die Altfälle werden, ist offen. Laut Tagesspiegel rechnet Keller mit 600 Millionen bis einer Milliarde Euro, im Einzelfall mit bis zu 150.000 Euro für altgediente Beamte. Das Ministerium selbst hält sich auf unsere Anfrage bedeckt: „Zum Umfang möglicher Korrekturmaßnahmen kann derzeit keine Aussage getroffen werden, da die hierfür notwendigen Berechnungen noch ausstehen.“ Rücklagen dafür gibt es nicht. „Das Land Brandenburg bildet für mögliche Nachzahlungen aus verfassungswidrig zu niedriger Besoldung keine Rückstellungen“, erklärte das Ministerium. Die Mehrkosten will die Landesregierung stattdessen mit zusätzlichen Entnahmen aus dem Versorgungsfonds des Landes bezahlen. Der Landtag muss dem noch zustimmen. Die vielen Widersprüche will das Land in einer „effizienten, möglichst automatisierten Verfahrensabwicklung“ bearbeiten. Ob dafür neue Stellen entstehen, ließ das Ministerium offen.
Wie andere Länder die Vorgaben der Verfassungsrichter umsetzen, zeigt unser Überblick zur Besoldungsrunde 2026. Neue Entwicklungen aus Brandenburg und den anderen Ländern lesen Sie zuerst in unserem kostenlosen Newsletter für den öffentlichen Dienst.
Quellen:
- Tagesspiegel: Mehr Geld für 35.000 Beamte ab Dezember (29.09.2026)
- Tagesspiegel: Bis 150.000 Euro Nachzahlungen in Brandenburg
- Ministerium der Finanzen und für Europa Brandenburg: Ergebnisse des Beamtenpolitischen Spitzengesprächs (01.07.2026)
- Anfrage von Öffentlicher Dienst News beim Ministerium der Finanzen und für Europa Brandenburg (19. August 2026)
- Zentrale Bezügestelle des Landes Brandenburg: Besoldung
Top-News:
TVöD Pflege: So viel Weihnachtsgeld gibt es für kommunale Pflegekräfte 2026
TVöD SuE: Weihnachtsgeld für Erzieher und Co.
Weihnachtsgeld im öffentlichen Dienst 2026
Gehaltserhöhungen 2027: Wer bekommt mehr Geld? Wann steigen die Gehälter?
Ausbildung im öffentlichen Dienst: Das müssen Bewerber wissen
Besoldungserhöhung im öffentlichen Dienst: Wer zahlt frühzeitig – wie steht es um Nachzahlungen ohne Widerspruch?
Besoldungsrunde 2026: Der lange Weg zur amtsangemessenen Alimentation
Stellenbörse für den öffentlichen Dienst: Lukrative Jobs im Staatsdienst
Aktuelle Informationen zu Gehalt & Besoldung im öffentlichen Dienst
-
- Kostenloser Newsletter für Beamte und Angestellte
- TVöD: Gehalt im öffentlichen Dienst bei Bund und Kommunen
- TV-L: Gehalt im öffentlichen Dienst der Länder
- Beamtenbesoldung: Besoldungstabellen
- A13 Beamtenbesoldung für Lehrer, Hauptkommissare und Co.
- Bundeswehr: Besoldung für Soldaten & Offiziere
- Ausbildung im öffentlichen Dienst 2027
- Altersvorsorge: News zu Rente, Pensionen, VBL
