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Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst: Einigung am Samstagvormittag

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst
ver.di-Chef Frank Werneke (r), und Andreas Dressel, Finanzsenator von Hamburg Copyright: picture alliance/dpa | Soeren Stache

Die Tarifparteien einigten sich auf 5,8 Prozent mehr Gehalt in drei Schritten über 27 Monate für 925.000 Beschäftigte der Länder. Ab April 2026 steigen die Entgelte um 2,8 Prozent (mindestens 100 Euro).

Update 14.02.2026, 10:00 Uhr 

Tarifabschluss steht: 5,8 Prozent mehr für Länderbeschäftigte

Die Tarifparteien einigten sich auf 5,8 Prozent mehr Gehalt in drei Schritten über 27 Monate für 925.000 Beschäftigte. Ab April 2026 steigen die Entgelte um 2,8 Prozent (mindestens 100 Euro), ab März 2027 um 2,0 Prozent, ab Januar 2028 um 1,0 Prozent. Nachwuchskräfte erhalten 150 Euro mehr, Schichtzulagen steigen auf bis zu 250 Euro. Ost-West-Angleichung bei Kündigungsschutz und Uniklinik-Arbeitszeit. Alle Details in unserem Newsletter.

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Einigung im öffentlichen Dienst am Samstagvormittag: Mehrere Punkte noch unklar

Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder dauern länger als erwartet. Vor Samstagvormittag sei mit keinem Ergebnis zu rechnen, sagten Sprecher von Gewerkschaften und Arbeitgeberseite in der Nacht in Potsdam. Sie bestätigten zwar, dass man sich auf eine Einigung zubewege, doch seien noch mehrere Punkte offen. Die Verhandlungspartner ringen weiter um tragfähige Kompromisse in den strittigen Detailfrage

Update 13. Februar, 20:40 Uhr

Einigungschancen gestiegen – Durchbruch am Samstag?

Die Einigungschancen seien gestiegen, hieß es aus Verhandlungskreisen in Potsdam. Demnach könnte eine Einigung am späten Abend oder in der Nacht zu Samstag erfolgen, berichtet stern.de. Bis dahin sollen Kompromisse, die in strittigen Einzelfragen erzielt wurden, zu einem Gesamtpaket mit linearer Tariferhöhung zu einem Tarifabschluss geschnürt werden. Die Länder hätten ihr ursprüngliches Arbeitgeberangebot über die zunächst angebotenen fünf Prozent bei 29 Monaten Laufzeit hinaus etwas aufgestockt, hieß es aus Verhandlungskreisen.

Arbeitgeber: Mehrere Angebote über fünf Prozent vorgelegt

Der Verhandlungsführer der Länder, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), hatte am Freitagnachmittag mitgeteilt: „Wir sind in intensiven und konstruktiven Gesprächen und alles liegt auf dem Tisch.“ Die Arbeitgeberseite habe in den laufenden Verhandlungen inzwischen „mehrere Angebote gemacht, die im Volumen über 5 Prozent liegen“. Die Prozentzahl alleine sagt allerdings wenig, solange die Laufzeit des neuen Tarifvertrags noch offen ist (s. unten).

Streitpunkte bei Ost-West-Angleichung und Kündigungsschutz

Nach Angaben aus Verhandlungskreisen ging es am offiziell letzten Tag der dritten Verhandlungsrunde im Detail unter anderem um eine Ost-West-Angleichung, um gleiche Regeln für den Kündigungsschutz und Verbesserungen für Azubis. Weil die Streitpunkte hier zunächst nicht ausgeräumt wurden, ließen auch Fortschritte im zentralen Punkt der linearen Einkommenserhöhung hinter verschlossenen Türen auf sich warten, schreibt handelsblatt.de. Es wurde auch bekannt, dass Verhandlungsteilnehmer ihre Hotelreservierung in Potsdam verlängert haben. Ein gutes Zeichen, dass die Verhandlungen am Wochenende zu einem Ende kommen könnten.

Dritte Runde im öffentlichen Dienst: Bewegung hinter verschlossenen Türen?

Dritte Runde öffentlicher Dienst 2026

Öffentlicher Dienst: Vertreter der von ver.di, Beamtenbund (dbb) sowie Arbeitgebervertreter der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) Mitte Januar 2026. Copyright: picture alliance/dpa | Michael Bahlo

Am dritten Verhandlungstag der aktuellen dritten Runde herrscht offiziell Stillschweigen. Weder Gewerkschaften noch Arbeitgeber haben bisher Details über mögliche Fortschritte nach außen kommuniziert. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass die TdL an ihren ursprünglichen Eckpunkten nachgebessert haben könnte. Ob diese Bewegung ausreicht, um die erhebliche Kluft zwischen den Positionen zu überbrücken, bleibt abzuwarten.

Öffentlicher Dienst: Laufzeit als entscheidender Knackpunkt

Reinhard Bispinck, ehemaliger Tarifexperte der Hans-Böckler-Stiftung, sieht die Vertragslaufzeit als zentralen Konfliktpunkt. „Gewerkschaften sind grundsätzlich an einer kurzen Laufzeit interessiert. Sie erlaubt eine rasche Anpassung an die wirtschaftliche Entwicklung“, sagte er gegenüber bild.de. Gleichzeitig blieben die Gewerkschaften dadurch „als Tarifpartei kontinuierlich sichtbar und mobilisierungsfähig. Das erhöht in der Tendenz auch die Mitgliederbindung und -gewinnung“.

Aus Sicht der Arbeitgeber biete jedoch eine längere Vertragslaufzeit mehr Planungssicherheit. Seit mehr als zwei Jahrzehnten seien im öffentlichen Dienst Laufzeiten von 24 Monaten und länger, teilweise sogar bis zu 33 Monaten, vereinbart worden. „Es ist also auch in dieser Tarifrunde mit einer längeren Laufzeit zu rechnen. Wie lange genau, kann man jetzt noch nicht abschätzen“, meinte Bispinck gegenüber bild.de. Letztlich würden die Gewerkschaften längeren Laufzeiten nur bei entsprechenden Gehaltserhöhungen zustimmen. „Kürzere Laufzeiten werden die Arbeitgeber sich – wenn überhaupt – mit geringeren Entgeltsteigerungen ‚bezahlen’ lassen.“

Gewerkschaften fordern kräftige Gehaltserhöhung bei kurzer Laufzeit

ver.di, GEW und der Deutsche Beamtenbund (dbb) gehen mit einer einheitlichen Forderung in die Verhandlungen: Sieben Prozent mehr Gehalt – mindestens aber 300 Euro monatlich. Diese Sockelkomponente soll vor allem die unteren Lohngruppen stärken, die von prozentualen Erhöhungen weniger profitieren würden. Die geforderte Laufzeit des neuen Tarifvertrags für die Länder (TV-L) beträgt lediglich zwölf Monate. Ziel ist es, den Tarifabschluss von Bund und Kommunen aus dem letzten Jahr zu übernehmen.

Besonders im Fokus stehen auch die Nachwuchskräfte: Auszubildende, dual Studierende und Praktikanten sollen 200 Euro mehr pro Monat erhalten. Zudem fordern die Gewerkschaften die unbefristete Übernahme nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung – in Vollzeit und im erlernten Beruf. Ein weiterer zentraler Punkt ist die Erhöhung aller Zeitzuschläge um 20 Prozentpunkte, was vor allem Beschäftigte im Schichtdienst entlasten würde.

Die GEW macht sich darüber hinaus für die Weiterentwicklung der Lehrkräfte-Entgeltordnung stark und fordert einen eigenständigen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TV Stud).

TdL-Eckpunkte: Drei Stufen über 29 Monate

Die Tarifgemeinschaft deutscher Länder hatte am 16. Januar 2026 in der zweiten Verhandlungsrunde erste Eckpunkte vorgelegt, die einen möglichen Einigungskorridor abstecken sollten. Kernstück ist eine Erhöhung der Entgelte „leicht über der Inflationserwartung“ in drei Schritten über die Haushaltsjahre 2026, 2027 und 2028. Die Laufzeit soll bis zum 31. März 2028 reichen – insgesamt 29 Monate. Konkrete Prozentzahlen oder Euro-Beträge nannte die TdL zunächst nicht, was bei den Gewerkschaften auf Kritik stieß.

Für Auszubildende schnürt die Arbeitgeberseite ein „Azubi-Paket“: 120 Euro mehr in drei Schritten, eine erneute Vereinbarung der bisherigen Übernahmeregelungen sowie die Angleichung der Vermögenswirksamen Leistungen Ost an West. Übernommene Auszubildende mit mindestens gutem Abschluss sollen die Stufe 2 sechs Monate früher erreichen und eine erhöhte Abschlussprämie erhalten – ein leistungsorientierter Ansatz, der jedoch weit hinter der Gewerkschaftsforderung nach unbefristeter Übernahme zurückbleibt.

Immerhin bei den Schichtzulagen bewegte sich die TdL: Die Wechselschichtzulage soll von 105 Euro auf 150 Euro steigen, die Schichtzulage von 40 Euro auf 60 Euro. Auch für studentische Beschäftigte gibt es ein Angebot: Das Mindeststundenentgelt soll über dem gesetzlichen Mindestlohn liegen und in drei Schritten von 15,06 Euro (Sommersemester 2026) auf 16,49 Euro (Sommersemester 2028) angehoben werden. Die Gewerkschaften fordern hingegen gestaffelte Sätze von 17 bis 19 Euro je nach Beschäftigungsjahr.

Webseite von Reinhard Bispinck zu Tarifpolitik

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