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Tarifrunde öffentlicher Dienst der Länder: Das ist der aktuelle Stand der Verhandlungen

Die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst haben kein tragfähiges Angebot vorgelegt.
Die Arbeitgeber im öffentlichen Dienst haben kein tragfähiges Angebot vorgelegt. Copyright: picture alliance / NurPhoto | Ying Tang

In der Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Länder haben die Arbeitgeber erstmals Eckpunkte für einen möglichen Abschluss präsentiert. Gewerkschaften bewerten den Vorstoß jedoch als unzureichend.

Dritte Runde Tarifrunde öffentlicher Dienst Länder: Beide Seiten optimistisch, vierte Runde möglich

Vom 11. bis 13. Februar verhandeln Gewerkschaften und TdL in Potsdam über den TV-L in der dritten Runde. Beide Seiten zeigen sich optimistisch, schließen aber eine vierte Runde nicht aus. Eine Schlichtung ist nicht vorgesehen. Vor den Gesprächen erhöht ver.di mit bundesweiten Warnstreiks den Druck. Die Gewerkschaften fordern 7 Prozent mehr Gehalt bei 12 Monaten Laufzeit.
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Eckpunkte statt Angebot: Tarifrunde öffentlicher Dienst der Länder

In der zweiten TV-L-Verhandlungsrunde am 15. und 16. Januar 2026 legte die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) erstmals Eckpunkte für einen sogenannten Einigungskorridor vor. Ein konkretes, abschlussfähiges Angebot blieb aus. Die TdL schlägt Entgelterhöhungen leicht über der Inflation in drei Stufen vor, verteilt auf die Haushaltsjahre 2026 bis 2028. Die Laufzeit soll 29 Monate bis Ende März 2028 betragen. Insgesamt entspräche das nach Angaben der Arbeitgeber einer Steigerung von rund fünf Prozent. Für die Gewerkschaften reicht dieser Ansatz nicht aus. Sie kritisieren vor allem die lange Laufzeit und das vergleichsweise geringe Volumen, das die Kaufkraftverluste der vergangenen Jahre nicht ausgleicht.

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TdL-Eckpunkte im Detail

  • “Erhöhung der Entgelte leicht über der Inflationserwartung in drei Schritten in den Haushaltsjahren 2026, 2027 und 2028, Laufzeit bis 31. März 2028 (29 Monate)
  • „Azubi-Paket“ mit deutlichen Verbesserungen für Auszubildende u. a.
    • mit 120 Euro mehr in drei Schritten,
    • erneute Vereinbarung der bisherigen Übernahmeregelungen,
    • Angleichung der Vermögenswirksamen Leistungen Ost an West,
    • für übernommene Auszubildene mit mindestens gutem Abschluss: Vorgezogenes Erreichen der Stufe 2 (sechs Monate früher),
    • Erhöhung der Abschlussprämie für Auszubildende mit min-destens gutem Abschluss (Leistungsorientierter Ansatz)
  • Erhöhung der Wechselschicht- und Schichtzulage von 105 Euro auf 150 Euro bzw. von 40 Euro auf 60 Euro
  • Erhöhung Mindeststundenentgelte Studentische Beschäftigte über Mindestlohn (15,06 Euro zum Sommersemester 2026, 15,76 Euro zum Sommersemester 2027, 16,49 Euro zum Sommersemester 2028)
  • Paket zur Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts (Strukturpaket):
    • Zeitgemäße Weiterentwicklung Eingruppierungsrecht unter Berücksichtigung der Entgelttransparenzrichtlinie. Ermöglichung abgestufter und leistungsdifferenzierter Eingruppierung mit entsprechenden Bestandsschutzregelungen
    • Paralleltabelle für Lehrkräfte ab Schuljahr 2028/2029
    • Stufengleiche Höhergruppierung
    • Überprüfung Überstundenregelungen Teilzeit”

Quelle: TdL

Verbesserungen für Auszubildende und Studierende

Die TdL stellte ein „Azubi-Paket“ in Aussicht. Es umfasst unter anderem 120 Euro mehr Ausbildungsentgelt in drei Schritten, die erneute Vereinbarung bestehender Übernahmeregelungen sowie die Angleichung der vermögenswirksamen Leistungen in Ost und West. Übernommene Auszubildende mit mindestens gutem Abschluss sollen schneller die nächste Entgeltstufe erreichen. Zudem plant die TdL eine höhere Abschlussprämie für leistungsstarke Absolventinnen und Absolventen. Für studentische Beschäftigte sieht der Vorschlag Mindeststundenentgelte oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns vor. Diese sollen schrittweise von 15,06 Euro im Sommersemester 2026 auf 16,49 Euro im Sommersemester 2028 steigen. Die Gewerkschaften erkennen zwar einzelne Verbesserungen an, verweisen jedoch darauf, dass zentrale Forderungen offenbleiben. Dazu zählen verbindliche Tarifregelungen für studentische Beschäftigte und eine stärkere soziale Komponente bei den Entgeltsteigerungen.

Öffentlicher Dienst Länder: Zulagen und Strukturfragen

Die Arbeitgeber wollen die Wechselschichtzulage von 105 auf 150 Euro und die Schichtzulage von 40 auf 60 Euro anheben. Zudem kündigte die TdL ein Strukturpaket zur Weiterentwicklung des Eingruppierungsrechts an. Geplant sind unter anderem stufengleiche Höhergruppierungen, eine Paralleltabelle für Lehrkräfte ab dem Schuljahr 2028/2029 sowie Anpassungen an die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Eine Arbeitsgruppe soll bis zur Schlussrunde im Februar einen Lösungsvorschlag erarbeiten. Aus Sicht der Gewerkschaften verlagern die Arbeitgeber damit zentrale Entscheidungen in die Zukunft. Ein belastbares Angebot liege weiterhin nicht auf dem Tisch.

Öffentlicher Dienst Angebot: Arbeitgeber verweisen auf finanzielle Grenzen

TdL-Verhandlungsführer Andreas Dressel sprach von einem „guten Pfad“ in Richtung Abschluss. Die Länder seien bereit, zentrale Forderungen zu erfüllen, müssten jedoch finanzielle Realitäten berücksichtigen. Die Gespräche hätten konstruktiv verlaufen, auch mit Jugend- und Studierendenvertretungen. Die Gewerkschaften ziehen eine andere Bilanz. Sie sehen in den Eckpunkten keinen Durchbruch, sondern einen Minimalkompromiss, der weder den Fachkräftemangel noch die steigenden Lebenshaltungskosten ausreichend berücksichtigt.

Gewerkschaften mit Kritik an TdL: “Arbeitgeber verkennen den Ernst der Lage”

Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke kritisierte, die TdL habe statt eines Angebots lediglich vage Aussagen gemacht. Von einem Abschluss „oberhalb der Inflation“ zu sprechen, reiche nicht aus. Die Beschäftigten erwarteten konkrete Zahlen und verlässliche Zusagen. Nach Darstellung von ver.di zielt die Arbeitgeberseite auf eine lange Laufzeit von 29 Monaten und sogenannte Nullmonate ab. Zudem strebe die TdL offenbar ein Ergebnis an, das unter dem Abschluss für Bund und Kommunen liege. Auch bei zentralen Strukturfragen zeigt sich aus Sicht der Gewerkschaften kein Entgegenkommen. Verbesserungen für Nachwuchskräfte blieben deutlich hinter den Ankündigungen zurück. Eine verbindliche Regelung zur Übernahme von Auszubildenden fehlt ebenso wie ein Tarifschutz für studentische Beschäftigte. In ver.di wertet man diesen Stand als Signal, dass die Länder die Belastungen vieler Beschäftigter unterschätzen.

Öffentlicher Dienst: Warnstreiks voraus

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert insbesondere die Haltung der Länder im Bildungsbereich. Auch hier liege kein Angebot vor. Die Arbeitgeber lehnten zusätzliche Investitionen in Schulen, Hochschulen und Kitas ebenso ab wie soziale Komponenten bei den Entgeltsteigerungen oder einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte. Die GEW warnt, Einsparungen an dieser Stelle verschärften den Lehr- und Fachkräftemangel und gefährdeten langfristig die Bildungsqualität. Ähnlich fällt die Bilanz des Deutschen Beamtenbundes aus. dbb-Chef Volker Geyer sprach von fehlender Bewegung und einem nicht abschlussfähigen Verhandlungsstand. Die TdL habe vor allem erläutert, was nicht möglich sei. Antworten darauf, wie die Länder im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen oder die zunehmenden Personalengpässe bewältigen wollen, blieben aus. Setze sich diese Linie fort, steuerten die Verhandlungen aus Sicht des dbb auf eine Eskalation zu. Angesichts des Stillstands kündigen alle Gewerkschaften eine Ausweitung von Warnstreiks an. Betroffen sein können unter anderem Schulen, Hochschulen, Unikliniken, Straßenräumdienste, Rechenzentren und Finanzämter. Die Gewerkschaften verweisen darauf, dass sie den Druck erhöhen müssen, um die Arbeitgeber zu substanziellen Verhandlungen zu bewegen.

Öffentlicher Dienst: Kommt die Entscheidung in der dritten Runde?

Die Tarifparteien setzen die Verhandlungen am 11. und 12. Februar 2026 in Potsdam fort. Bis dahin dürfte der Druck steigen. Gewerkschaften haben bereits angekündigt, Warnstreiks auszuweiten, solange die Arbeitgeber kein akzeptables Angebot vorlegen.

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