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Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder: Das ist unsere Prognose

Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft verdi. @picture alliance/dpa | Soeren Stache
Frank Werneke, Vorsitzender der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft verdi. @picture alliance/dpa | Soeren Stache

Vor der dritten Verhandlungsrunde für den öffentlichen Dienst machen die Gewerkschaften mit bundesweiten Warnstreiks Druck. Eine Schlichtung ist nicht vorgesehen. Für den Fall, dass die Verhandlungen ohne Ergebnis bleiben, bringen beide Seiten eine vierte Runde ins Spiel. Beide Parteien sind vor Beginn optimistisch.

Eine Einigung in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder ist auch am zweiten Verhandlungstag, dem 12. Februar 2025, nicht zustande gekommen. Unsere Prognose lautet, dass eine Einigung vor dem Wochenende unwahrscheinlich ist. Möglicherweise drohen sogar neue Streiks.

Verdi-Chef Frank Werneke wies Berichte über eine Einigung am Mittwoch, 11.01., zurück. Auch Verdi-Vizechefin äußerte sich zum “Angebot” der Arbeitgeber, das zu niedrig sei.

Allerdings gibt es Berichte über eine mögliche Annäherung beider Parteien. Zwei Knackpunkte entscheiden demnach über den Ausgang der Verhandlungen.

Tarifverhandlungen öffentlicher Dienst der Länder: Gewerkschaften widersprechen Darstellungen

Ob es in den Tarifverhandlungen der Länder zu einem Durchbruch kommt, könnte sich am Freitag, dem dritten Tag der Schlussverhandlungen in Potsdam, entscheiden. Darüber berichtet die “dpa”. Nach Angaben aus Verhandlungskreisen sind aber auch Gespräche bis in die Nacht oder ein Abschluss am Samstag möglich.

Die Gewerkschaften widersprechen der Darstellung, dass eine Einigung nahe sei. Verdi-Chef Frank Werneke erklärte: „Dass das als Einigung im Raum steht, kann ich vom bisherigen Gesprächs- und Verhandlungsverlauf eindeutig nicht bestätigen.“ Auch Verdi-Vizechefin Christine Behle kritisierte das Angebot deutlich: „Das ist auf der einen Seite zu niedrig vom Volumen, und die Laufzeit ist aus unserer Sicht zu lang.“

dbb warnt vor Scheitern der Verhandlungen im öffentlichen Dienst

Der dbb meldet sich anlässlich der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst zu Wort und warnt vor einem Scheitern. „In dieser Runde wird sich zeigen, ob die Tarifgemeinschaft deutscher Länder ihre Verantwortung ernst nimmt. Ohne Reallohnsteigerung fallen sie auf dem Arbeitsmarkt nicht nur im Vergleich zur Privatwirtschaft, sondern auch gegenüber Bund und Kommunen weiter zurück. Das wäre verheerend für die Nachwuchsgewinnung und die Mitarbeitermotivation”, sagte dbb-Chef Volker Geyer anlässlich der nächsten Runde in Potsdam.

„Deshalb werden das extrem schwierige Verhandlungen. Uns liegt immer noch kein Angebot vor, lediglich Annäherung in Detailfragen”, erläutert Geyer. „Wir brauchen aber viel mehr: Wir brauchen echte Einkommenssteigerungen und strukturelle Verbesserungen. Da liegen wir noch meilenweit auseinander.”

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Update vom 11.02.26, 8.30 Uhr: Nächste Runde in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst startet

Heute startet die nächste Runde in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst. Die Verhandlungen sollen um 13.30 Uhr beginnen. Beide Seiten geben sich kompromissbereit. Dennoch ist ungewiss, ob es zu einer Einigung kommt.

Erstmeldung: Dritte Runde in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst steht an

Die Tarifverhandlungen für die rund 900.000 Tarifbeschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder (außer Hessen) steuern auf die entscheidende dritte Runde zu. Vom 11. bis 13. Februar treffen sich ver.di, GEW, IG BAU, GdP und der Deutsche Beamtenbund und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) in Potsdam zur dritten Verhandlungsrunde.

Um 13:30 Uhr starten am 11. Februar der Verhandlungen mit einer gewerkschaftlichen Kundgebung vor dem Tagungshotel in Potsdam. Im Anschluss ziehen sich die Vertreter von Länder-Arbeitgebern und Gewerkschaften zu Beratungen zurück. Gespannt blicken auch die 1,2 Millionen Landesbeamten auf die Verhandlungen. Im Anschluss folgt die Anpassung der Besoldung, die in der Regel dem Tarifergebnis folgt.

Dritte Runde im öffentlichen Dienst Länder: Beide Seiten geben sich trotz Differenzen optimistisch

Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes der Länder zeichnen sich vor der dritten Verhandlungsrunde erste Anzeichen für mögliche Annäherungen ab. Die Positionen bleiben jedoch weiterhin deutlich voneinander entfernt. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), verweist auf bereits vorgelegte Eckpunkte mit einer Steigerung “im Saldo über 5 Prozent”. Er betont: “Das können und werden wir weiter konkretisieren – gerade für diejenigen, die Dienst zu ungünstigen Zeiten leisten, nachts, an Sonn- und Feiertagen oder im Wechselschicht- und Schichtdienst.”

Auch das Azubi-Paket könne “noch angereichert werden”, erklärte Dressel vor der dritten Tarifrunde in Potsdam. Die Gewerkschaften fordern sieben Prozent mehr Gehalt – mindestens jedoch 300 Euro monatlich bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Ver.di-Chef Frank Werneke hatte das bisherige Angebot der Arbeitgeber noch als “Frechheit” bezeichnet und kritisierte besonders die lange Laufzeit von 29 Monaten mit vielen “Nullmonaten” am Anfang.

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Nächste Runde in den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst: Mögliche Kompromisslinie für die Länder

Als Orientierung für einen Kompromiss verweisen die Gewerkschaften auf den Tarifabschluss für Bund und Kommunen aus dem Vorjahr. Dieser beinhaltete eine Entgelterhöhung von 5,8 Prozent in zwei Schritten bei 27 Monaten Laufzeit. Ob die dritte Verhandlungsrunde zu einer Einigung führt oder weitere Arbeitskämpfe folgen, bleibt offen. Dressel betont jedoch: “Wir setzen weiter auf konstruktive und realistische Gespräche mit den Gewerkschaften, die die finanziellen Realitäten anerkennen.”

Auf Anfrage von Öffentlicher Dienst News bestätigte die TdL, dass bei einem Scheitern der Gespräche eine weitere Runde angesetzt werden könnte. Man gehe zwar fest davon aus, dass eine Einigung in der dritten Tarifrunde gelinge. „Andernfalls wird man eine vierte Verhandlungsrunde ansetzen müssen“, so ein Sprecher.

Auch die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Behle zeigte sich laut Mitteilung optimistisch, dass in Potsdam ein Abschluss gelingt. Andernfalls könnte es aber auch eine vierte Verhandlungsrunde geben. Ein Schlichtungsverfahren ist im Tarifkonflikt der Länder nicht vorgesehen – die frühere Schlichtungsvereinbarung wurde von der TdL gekündigt. Anders als bei Bund und Kommunen kann der Tarifkonflikt bei den Ländern nicht über externe Schlichter zu einem gemeinsamen Ende gebracht werden. Zuletzt war die TVöD-Runde im April 2025 per Schlichterspruch nach harten Verhandlungen beendet worden. Der TVöD-Abschluss ist im Umfang auch das Ziel der Gewerkschaften.

Dritte Runde öffentlicher Dienst 2026

Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst 2026: Vertreter von ver.di, Beamtenbund (dbb) sowie Arbeitgebervertreter der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) Mitte Januar 2026. Copyright: picture alliance/dpa | Michael Bahlo

Ver.di: Bundesweite Warnstreiks als „letzte Druckwelle“

Vor den Gesprächen in Potsdam erhöhen die Gewerkschaften deshalb den Druck. Die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle kündigte am Freitag „eine bunte erste Wochenhälfte“ an. Bundesweit seien alle Bereiche mit den Ländern als Arbeitgeber betroffen – insbesondere Unikliniken, aber auch Straßenbauverwaltungen und die IT. „Es ist die letzte Druckwelle vor der letzten Verhandlungsrunde“, so Behle.

Einer der Streik-Schwerpunkte wird Nordrhein-Westfalen sein. Am Dienstag werden Warnstreikende aus Schulen, Unikliniken, der Polizei, Behörden, Justiz und weiteren Teilen der Landesverwaltung zu einer Großdemonstration vor dem Landtag in Düsseldorf erwartet. Bereits in den vergangenen Wochen hatte es ausgeweitete Warnstreiks gegeben.

Öffentlicher Dienst Länder: Positionen liegen noch weit auseinander

Die Gewerkschaften fordern 7 Prozent mehr Gehalt, mindestens jedoch 300 Euro monatlich. Für Nachwuchskräfte sollen 200 Euro zusätzlich gezahlt werden. Die geforderte Laufzeit beträgt zwölf Monate.

Die TdL hat bislang kein konkretes Angebot vorgelegt, sondern lediglich Eckpunkte präsentiert. Der Arbeitgeberverband geht von einer Inflationserwartung von rund zwei Prozent pro Jahr aus und bietet eine Erhöhung „leicht über der Inflationserwartung“ bei einer Laufzeit von 29 Monaten an. Einen Sockelbetrag von 300 Euro lehnt die TdL ab – mit Verweis auf bereits vereinbarte Mindestbeträge von insgesamt 580 Euro in den vergangenen drei Tarifrunden. Die Kritik der Gewerkschaften, der Einigungskorridor liege unter dem TVöD-Abschluss für Bund und Kommunen, weist die TdL zurück.

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