Fast sechs Monate nach dem Tarifabschluss haben erst drei Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst ihre Gehaltserhöhung erhalten. Eine Umfrage von Öffentlicher Dienst News unter rund 1.400 Mitarbeitern von Bund und Kommunen zeigt die Umsetzungsprobleme und schlechte Kommunikation der Arbeitgeber.
Die Beschäftigten von Bund und Kommunen warten weiterhin auf die Umsetzung des TVöD-Tarifabschlusses vom April 2025. Nur drei Prozent der 1.400 befragten Mitarbeiter haben bislang die vereinbarte Gehaltserhöhung erhalten, obwohl diese bereits zum 1. April 2025 wirksam werden sollte. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Nachrichtenportals Öffentlicher Dienst News unter Beschäftigten des öffentlichen Dienstes.
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Öffentlicher Dienst Gehaltserhöhung: Noch keine Spur auf dem Konto
Nach vier Verhandlungsrunden und einer Schlichtung hatte die Gewerkschaften mit dem Bund und der Bundesvereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) am 6. April eine Einigung erzielt. Diese sieht ab dem 1. April 2025 eine Erhöhung der monatlichen Tabellenentgelte um drei Prozent, mindestens jedoch um 110 Euro vor. Eine weitere Steigerung um 2,8 Prozent soll ab dem 1. Mai 2026 folgen. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 27 Monate.
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Trotz dieser klaren Vereinbarung herrscht bei der praktischen Umsetzung Stillstand. Nach den zähen Redaktionsverhandlungen im Juli, warten die Angestellten von Bund und Kommunen nun auf ihr Geld. 97 Prozent der Befragten gaben an, die rückwirkend für April vorgesehene Gehaltserhöhung noch nicht erhalten zu haben. Betroffen sind die kommunalen Beschäftigten, die mit 69 Prozent den größten Teil der Umfrageteilnehmer ausmachen, aber auch die Angestellten des Bundes.
Schlechte Kommunikation im öffentlichen Dienst: Arbeitgeber lassen Beschäftigte wegen Gehaltserhöhung im Unklaren
Die mangelhafte Umsetzung geht einher mit einer schlechten Informationspolitik der Arbeitgeber. 78,3 Prozent der Befragten haben von ihrem Arbeitgeber keinerlei Information darüber erhalten, wann sie mit der Auszahlung rechnen können. Nur etwa jeder fünfte Beschäftigte wurde über einen konkreten Auszahlungstermin informiert.
Bei den wenigen kommunizierten Terminen zeichnet sich eine weitere Verzögerung ab: Die meisten genannten Auszahlungstermine liegen im September (etwa zehn Prozent) und Oktober (rund fünf Prozent) 2025. Vereinzelt wurden auch Juli, August, November und Dezember genannt. Dies bedeutet für viele Beschäftigte eine Wartezeit von bis zu neun Monaten nach dem eigentlichen Tarifabschluss des TVöD.
Vernichtende Noten für Kommunikation zur TVöD-Gehaltserhöhung
Die Bewertung der Kommunikation durch die Arbeitgeber fällt dementsprechend vernichtend aus. Nur 6,9 Prozent der Befragten bewerten diese als “gut”. Demgegenüber stehen 36,8 Prozent, die die Note “ungenügend” vergeben, und 29,7 Prozent mit der Bewertung “mangelhaft”. Lediglich 13,4 Prozent sehen die Informationspolitik als “ausreichend” und 13,1 Prozent als “befriedigend” an.
Diese schlechte Kommunikation trifft alle Bereiche des öffentlichen Dienstes gleichermaßen. Die Umfrage erfasste Beschäftigte aus verschiedenen Tätigkeitsfeldern: 62,6 Prozent arbeiten in der Verwaltung, 19,6 Prozent im Sozial- und Erziehungsdienst, 11,6 Prozent in der Pflege sowie kleinere Gruppen in den Bereichen Entsorgung, Sparkassen und Flughäfen.
TVöD-Tarifabschluss 2025 und 2026: Die Details
Neben den Gehaltserhöhungen sieht der Tarifabschluss weitere Verbesserungen vor. Ab Juli 2025 sollen die Schichtzulage von 40 auf 100 Euro und die Wechselschichtzulage von 105 auf 200 Euro steigen. Für Beschäftigte in Krankenhäusern erhöht sich die Wechselschichtzulage sogar von 155 auf 250 Euro. Ab Januar 2027 werden diese Zulagen dynamisch angepasst.
Zudem erhalten alle Beschäftigten ab 2027 einen zusätzlichen Tag Erholungsurlaub. Die Jahressonderzahlung wird ab 2026 für kommunale Beschäftigte auf 85 Prozent erhöht, während sie beim Bund gestaffelt bei 75, 90 oder 95 Prozent liegt. Beschäftigte können Teile der Jahressonderzahlung in bis zu drei freie Tage umwandeln – ausgenommen sind allerdings Mitarbeiter in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen, die dafür eine höhere Jahressonderzahlung erhalten. Es bleibt zu hoffe, dass die technische Umsetzung bis dahin erfolgt ist und alle weiteren Komponenten des Tarifabschlusses ohne Verzögerung pünktlich erfolgen.
Öffentlicher Dienst: Strukturelle Probleme
Die schleppende Umsetzung offenbart grundlegende strukturelle Probleme im öffentlichen Dienst. Personalabteilungen kämpfen selbst mit Personalengpässen und teilweise veralteten IT-Systemen.
Die Umfrageergebnisse zeigen: Der öffentliche Dienst steht nicht nur vor der Herausforderung, im Wettbewerb um Fachkräfte attraktive Gehälter zu bieten. Er muss auch beweisen, dass er in der Lage ist, einmal getroffene Vereinbarungen zeitnah und transparent umzusetzen. Solange selbst die Auszahlung beschlossener Gehaltserhöhungen ein halbes Jahr und länger dauert, leidet das Vertrauen der Beschäftigten zu ihren Arbeitgebern.
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