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Inflationsbonus: Prämien bis zu 3000 Euro steuerfrei – diese Unternehmen zahlen

Wenn sich Arbeitgeber mit Gewerkschaften auf einen Inflationsbonus einigen, dann ist dieser bis zu einer Höhe von 3000 Euro steuerfrei. Die Steuerbefreiung von Sonderzahlungen sieht das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung vor. Wir zeigen, wer gute Chancen auf eine hohe Prämien hat.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat angekündigt, dass ein Inflationsbonus von 3000 Euro künftig steuerfrei ist. Dabei geht es um Zahlungen, die Arbeitgeber an die Beschäftigten als Inflationsbonus zahlen. In der Regel werden diese Sonderzahlungen zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften in Tarifrunden verhandelt. Als Beispiel für eine solche Prämie gilt die Corona-Sonderzahlung im öffentlichen Dienst. Auch der Pflegebonus, der aktuell an berechtigte Pflegekräfte ausgezahlt wird, fällt in diese Kategorie – auch wenn dieser nicht in Tarifverhandlungen beschlossen wurde.

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Inflationsbonus bis zu 3000 Euro steuerfrei

Der steuerfreie Inflationsbonus ist Teil der Maßnahmen im dritten Enlastungspakets der Bundesregierung, um die Energiekrise und die hohe Inflation zu bekämpfen. Kanzler Scholz sagte zur Steuerbefreiung des Inflationsbonus: „Wenn Tarifparteien, wenn Arbeitgeber, ihren Beschäftigten wegen der gegenwärtigen Entwicklung, zusätzlich zu den normalen Einkommen eine Zahlung leisten, um mit den gestiegenen Preisen umgehen zu können, sollen sie bis zu einer Summe von 3000 Euro steuer- und abgabenfrei sein“, so Scholz weiter. Konkret heißt es im Beschlusspapier: „Der Bund ist bereit, bei zusätzlichen Zahlungen der Unternehmen an ihre Beschäftigten einen Betrag von bis zu 3.000 Euro von der Steuer und den Sozialversicherungsabgaben zu befreien.“

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Inflationsprämien: In welchen Branchen und Unternehmen stehen Tarifverhandlungen an?

Die Bundesregierung hat zwar beschlossen, das Inflationsprämien bis 3000 Euro steuer- und abgabenfrei bleiben: allerdings müssen diese entweder von Arbeitgebern und Gewerkschaften in Tarifverträgen beschlossen werden oder Arbeitgeber in Einzelunternehmen entscheiden sich für eine Prämienzahlung. Elf Dax-Konzerne warten demnach die laufenden Tarifverhandlungen ab, wie eine Handelsblatt-Umfrage zeigt. Doch in welchen Branchen stehen Tarifverhandlungen an? Wo sind Inflationsprämien möglich? Eine Übersicht der anstehenden Tarifverhandlungen:

Tarifverhandlungen September 2022

  • Metall- und Elektroindustrie (3.813.000)

Tarifverhandlungen November 2022

  • Privates Verkehrsgewerbe Bayern (133.000)
  • Volkswagen AG (102.000)

Tarifverhandlungen Dezember 2022 / Januar 2023

  • Öffentlicher Dienst Bund und Gemeinden (2.712.000)
  • Bewachungsgewerbe verschiedene Regionen (152.000)
  • Deutsche Post AG (140.000)

Quelle: HBS 2022

Umfrage zur Inflationsprämie: Diese Unternehmen zahlen einen Bonus

Die Verhandlungen oder Debatten über die Zahlung von Inflationsprämien haben in verschiedenen Unternehmen bereits begonnen, wie eine Umfrage des Handelsblatts bei großen und mittleren Unternehmen zeigt. Mehr als die Hälfte der 40 Dax-Konzerne und viele mittelständische Unternehmen überlegen, ob sie eine solche Sonderzahlung leisten. Doch welche Unternehmen haben sich bereits entschlossen, eine Sonderzahlung an ihre Beschäftigten zu leisten?

  • Autovermieters Sixt zahlt weltweit an alle Beschäftigten 1700 Euro Sonderbonus als Inflationsausgleich bis zum Ende des Jahres zusätzlich
  • Ventilatoren-Hersteller EBM Papst zahlt seinen 6000 Beschäftigten eine freiwillige Sonderzahlung von 500 Euro
  • Drogerieunternehmer Roßmann (Verhandlungen laufen)
  • Wanderschuhhersteller Meindl (Verhandlungen laufen)

Inflationsprämie: Diese Unternehmen denken darüber nach oder warten auf Tarifrunde

  • RWE sieht Sonderzahlung als eine „sinnvolle und interessante Handlungsoption“
  • Hausgerätehersteller Miele
  • Motorsägenhersteller Stihl
  • Intralogistik-Spezialist Jungheinrich
  • Medienkonzern Bertelsmann
  • Wohnbaukonzern Vonovia „unterstützt den Ansatz der Bundesregierung“

Diese Unternehmen werden keine Inflationsprämie zahlen

  • Der Autozulieferer Continental schließt eine Inflationsprämie aus. Der Grund: das „anhaltend turbulente Marktumfeld“.
  • Die Telekom hat bereits im Rahmen ihres diesjährigen Tarifabschlusses Sonderzahlungen von jeweils 500 Euro für untere und mittlere Tarifgruppen vereinbart.

Quelle: Handelsblatt (hinter Bezahlschranke)

Inflationsbonus in den Tarifverhandlungen

Ob der Inflationsbonus in den anstehenden Tarifverhandlungen etwa in der Metall- und Elektroindustrie oder dem öffentlichen Dienst eine Rolle spielen werden, muss sich zeigen. Die Gewerkschaften haben die Steuerbefreiung von möglichen Inflationsboni folgendermaßen kommentiert: So sagte der Erste Vorsitzende der IG Metall Jörg Hofmann in einer Mitteilung: „Die angekündigten steuerpolitischen Maßnahmen wie die Steuerfreistellung von 3000 Euro an zusätzlichen Zahlungen, etwa durch eine Tariferhöhung, kann eine deutliche Entlastung sein.“ Auch die DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi stellt fest: „Insgesamt ist der Maßnahmenkatalog geeignet, die Belastungen der Menschen und der Unternehmen tatsächlich spürbar zu verringern. Er hat eine klare soziale Handschrift und trägt zur Stabilisierung von Nachfrage und Konjunktur bei. In diesem Sinne verstehen wir auch das Angebot, Zahlungen der Unternehmen an Beschäftigte bis zu 3.000 Euro steuer- und abgabenfrei zu stellen. Es kann ein interessantes zusätzliches Gestaltungsinstrument darstellen, über das in Tarifverhandlungen zu entscheiden sein wird.“

Inflations-Sonderzahlung wird nicht vom Himmel fallen

Der IG BAU-Vorsitzende Robert Feigermacht deutlich, dass flächendeckende Sonderzahlung bis zu 3000 Euro vor allem dort gelingen können, wo es Tarifverträge gibt. Er sagt: „Vom Himmel fallen werden die steuerfreien Sonderzahlungen von bis zu 3000 Euro in den allermeisten Unternehmen allerdings nicht. Es wird sie vor allem dort geben, wo es Tarifverträge gibt. Die Formel ist einfach: ohne Tarifvertrag – schlechte Chancen auf Sonderzahlung. Mit der Sonderzahlung – gute Bindung von Fachkräften.“

Doch vielen Beschäftigten werde es schwerfallen, beim Chef anzuklopfen und eine Krisen-Sonderzahlung zu fordern. „Genau hier kommt den Tarifvertragsparteien eine besondere Rolle für die Sonderzahlung zu. Gewerkschaften sind damit Garanten dafür, dass es einen Inflationsbonus für alle Beschäftigten gibt. Es darf keine weißen Flecken bei Sonderzahlungen geben. Die Gewerkschaften werden alles daransetzen, um einen Flickenteppich beim Inflationsbonus zu vermeiden“, so Feiger.

ver.di: Tabellenwirksame Tariflohnsteigerungen

Der ver.di-Vorsitzende Frank Werneke betont: „Wenn Arbeitgeber auf Grundlage der von den Ampelparteien jetzt vorgesehenen Steuerbefreiung Energiekostenzuschüsse bezahlen, dann ist das angesichts der akuten Kostenbelastung, unter der viele Beschäftigte derzeit leiden, angemessen und zu begrüßen. Das ändert allerdings nichts daran, dass in den stattfindenden und bevorstehenden Tarifrunden mit tabellenwirksamen Tariflohnsteigerungen auf die hohe Inflation geantwortet werden muss. Wir haben es leider mit dauerhaft steigenden Preisen zu tun, diese erfordern nachhaltig wirkende Entgelterhöhungen.“

Bundesregierung: praxisnahe Lösungen

Im Beschlusspapier des Koalitionsausschusses heißt es: „Die Bundesregierung diskutiert im Rahmen der „Konzertierten Aktion“ gemeinsam mit den Sozialpartnern, wie mit den gestiegenen Preisen und den damit einhergehenden realen Einkommensverlusten der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer umgegangen werden kann. Die Sozialpartner entwickeln praxisnahe Lösungen.“ Der Bund sei bereit, bei zusätzlichen Zahlungen der Unternehmen an ihre Beschäftigten einen Betrag von bis zu 3.000 Euro von der Steuer und den Sozialversicherungsabgaben zu befreien. Letztendlich werden die Gewerkschaften und Arbeitgeber in den Branchen entscheiden, ob es einen Inflationsbonus gibt und wie hoch dieser dann jeweils ist.

Bundeskanzler Olaf Scholz wirbt für Inflations-Sonderzahlung auf Arbeitgebertag

Bundeskanzler Olaf Scholz wirbt bei den Arbeitgebern, in den anstehenden Tarifrunden, eine Sonderzahlung an die Beschäftigten auf den Weg zu bringen. Auf dem Arbeitgebertag Mitte September sagte Scholz: „Die Bundesregierung hat entschieden, solche zusätzlichen Zahlungen bis zu 3000 Euro von Steuern und Sozialabgaben zu befreien, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften sich darauf verständigen.“ Er betont: „Dazu möchte ich Sie ausdrücklich ermutigen.“ Die Bundesregierung will die Inflations-Sonderzahlung im Rahmen der sogenannten Konzertierten Aktion zum Thema machen.

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